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Periodical volume Nr. 21, 14. Juli 1949, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1949

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empfehlen, sie dem Jugendausschuß zu überweisen, damit dieser Ausschuß
bei derart wichtigen Arbeiten des Hauptjugendamtes mitwirken kann. Denn
der, parlamentarische Ausschuß ist ja zur Zeit das einzige Forum, das dem
Hauptjugendamt zur Mitarbeit zur Verfügung steht.
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(Beifall bei der SPD.)

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Städtv. Frau S C H R O E D T E R (FDP): Meine Herren und Damen!
Auch die Fraktion der FDP ist der Meinung, daß für diese schwererziehbaren
Kinder unbedingt und schnellstens ein Heim geschaffen werden muß, um sie
aus ihrer Opposition gegen die Gesellschaft wieder herauszubringen. Es sind
uns aber sehr viele Beschwerden zugegangen, daß .dieses vorgesehene Haus
nicht geeignet wäre. Es wäre eine Luxusvilla. Meine Herren und Damen, auch
die beste Heimerziehung kann unseren Kindern eine .häusliche Erziehung nicht
, ersetzen, denn sie werden doch ein bißchen weltfremd. In dem Heim ist für
sie Kleidung, Heizung, Essen und, alles vorhanden, ohne daß sie, den Wert des
Geldes dabei genügend zu schätzen wissen wie in der Familie,, wo Vater und
Mutter gemeinsam Opfer bringen .müssen, um Neuanschaffungen und dig-igütigen'Sachen heranzubringen. Dies, ällßs, i^t^rn Heim nicht der^Fall, . ^so dAÄ/die
Kinder ein bißchen fremd dem Begriff des Geldes gegenüberstehen. Wenn nun
diese schwererziehbaren Kinder in'eih'Lii.xüsheim kommen, so bekommen sie
unbedingt falsche Vorstellungen von der Welt,in der. sie.einmal leb^nrmü^sen.
M a n sagt immer, das Beste ist für unsere Kinder ,gerade g.U;t genug,.».Auf r.dem
Standpunkt stehen wir auch, aber das Beste £iig.-jAi{$s-ß Kinder ist Lig^t,^J^j/t,
Sonne und weite Räume.
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Wenn es wirklich eine Luxusvilla, ist, dann «dnd wir der Meinung, daß
man sie zu einem Gästehaus oder zu einem Hotel umbauen soll, an denen,wir
in Berlin doch so arm sind, und wir wollen doch wieder einmal Hauptstadt,
und Weltstadt werden. Deshalb stellen wir den,Antrag, daß ein Ausschuß, gebildet wird, der sich dieses Objekt und ähnliche ansieht und das Beste für unsere Kinder herausholt.
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Stadtv. Frau von der D E C K E N (CDU): Meine Damen und Herren! Mit
den Vorrednerinnen ist auch meine Fraktion der CDU sich völlig darüber klar,
daß für unsere notleidenden Berliner Kindef gerade das Beste nur gut genüg ist.
Aber die Bedenken, die hier eben von Frau'Schroedter vorgebracht worden sind,
teilen auch wir, ob diese^s- Objekt in Wannsee unbedingt,, das richtige ist. Wir
wissen, daß das Hauptjugendamt bestimmt alles getan hat, um ein wirklich geeignetes Objekt ausfindig zu machen. Aber trotzdem sind die hier vorgebrachten Bedenken tatsächlich sehr wichtig, und auch wir möchten an das Hauptjugendamt noch einmal die Bitte richten,zu überprüfen, ob es nicht denkbar wäre,
ein noch geeigneteres Objekt für dieses Kinderheim zu finden. Keinesfalls möchten wir aller dings, daß dadurch die Durchführung des an sich so sehr zu begrüßenden Planes irgendwie verzögert wird. Denn die Not unserer Kinder ist riesen-
        
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