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Periodical volume Nr. 21, 14. Juli 1949, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1949

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für G r o ß - B e r l i n erheben zu müssen, nicht nur die Tatsache, daß im
§ 17 Absatz 2 des P a t e n t g e s e t z e s , eines bestehenden R e i c h s g e s e t z e s ,
ausdrücklich festgestellt ist, daß das P a t e n t a m t seinen Sitz in Berlin hat,
sondern es war entscheidend die F r a g e , daß das von der bizonalen V e r waltung oder vom bizonalen Wirtschaftsrat für München beschlossene P a tentamt zu einer m a t e r i e l l e n Verschlechterung des deutschen P a t e n t r e c h t s führt, denn das im vereinigten Wirtschaftsgebiet begründete P a tentamt wird nicht in der Lage sein, das Vorprüfungsverfahren, welches
im deutschen P a t e n t r e c h t v e r a n k e r t ist und welches das deutsche P a t e n t recht weltberühmt gemacht hat, durchzuführen. Der Lokalpatriotismus
dort wird also erkauft durch eine m a t e r i e l l e Verschlechterung des deutschen P a t e n t r e c h t s , die wir nach u n s e r e r Ansicht nicht hinnehmen können.
Bisher haben wir in Berlin glücklicherweise alle Unterlagen und E i n r i c h tungen erhalten, die uns gestatten, das deutsche Patentwesen und das
deutsche P a t e n t r e c h t auf dem hohen Niveau zu erhalten, auf dem es sich
befunden hat. Wir haben bewußt im § 1 Absatz 1 die F a s s u n g gewählt:
E s wird ein P a t e n t a m t mit der Bezeichnung
"Deutsches Patentamt in Berlin" e r r i c h t e t .
Selbstverständlich können wir in diesem Hause nur Gesetze beschließen
und Beschlüsse fassen, die Geltung für den Gesamtbereich von G r o ß - B e r lin haben. Wir wollten aber auch in dieser Formulierung nach außen' deutlich für jeden sichtbar den Anspruch in der Welt, in Deutschland geltend
machen, daß das Deutsche Patentamt seinen Sitz in Berlin hat, und zwar
für Gesamtdeutschland.
ü b e r alle diese F r a g e n war sich der Rechtspolitische Ausschuß einer
Meinung, jedoch nicht über die F r a g e des § 2, der in der Vorlage des Auss c h u s s e s vorsieht, daß der P r ä s i d e n t des P a t e n t a m t e s und sein S t e l l v e r t r e v)
ter von der Stadtverordnetenversammlung bestellt werden. Die Mehrheit
- das Abstimmungsergebnis wae 5:4 für diese Fassung - hat sich auf den
Standpunkt gestellt, daß das Patentamt in e r s t e r Linie eine gerichtsähnliche Institution ist. Das Patentamt ist sogar bis zu einem gewissen Grade
eine gesetzgebende Körperschaft. Denn jedes Patent, welches es beschließt,
stellt tatsächlich in Wahrheit ein Spezialgesetz d a r . In zweiter Linie ist es
eine hohe Spruchstelle, die über Nichtigkeitsfragen, Zwangslizenzen usw.
zu entscheiden hat, und e r s t in d r i t t e r Linie ist es eine Verwaltungsstelle.
Die Mehrheit des Rechtspolitischen A u s s c h u s s e s war daher der Ansicht , daß,
nachdem in der neuen Verfassung, die allerdings noch nicht in Kraft ist, im
Artikel 69 festgelegt worden ist, daß die höchsten Richter, nämlich der P r ä sident des K a m m e r g e r i c h t s , der Generalstaatsanwalt beim K a m m e r g e r i c h t
und der P r ä s i d e n t des Landgerichts durch das P a r l a m e n t auf die Dauer von
6 J a h r e n bestellt werden, es eine ganz logische Entwicklung ist, die gleiche
Rechtsstellung, die ja nur die Position des P r ä s i d e n t e n des P a t e n t a m t s und
        
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