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Periodical volume Nr. 20, 1. Juli 1949, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1949

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Ich möchte Sie dann auf einen Eingang aufmerksam machen, der mit
den anderen F r a g e n , die wir heute behandeln, im Zusammenhang steht. E s
handelt sich um eine Eingabe des p r o v i s o r i s c h gewählten A u s s c h u s s e s der
Gewerbetreibenden und freien Berufe. Diese Eingabe, die ich i h r e r Bedeutung
halber v e r l e s e n möchte, lautet:
In der a m 30. 6. 1949 in Kliems F e s t s ä l e n stattgefundenen Kundgebung der Währungsgeschädigten Angehörigen der freien B e rufe, des ambulanten Gewerbes sowie der selbständigen Gewerbetreibenden wurde einstimmig folgende Resolution angenommen:
1. Sofortiger Vollstreckungsschütz für alle Währungsgeschädigten.
2. Sofortige Gewerbefreiheit für alle selbständigen Gewerbetreibenden und Freischaffenden, die willens und in der Lage
sind, ihr Gewerbe in den Westeektoren auszuüben, und
langfristige Kreditgewährung.
3. Rückwirkend Schadensersatz für die durch die Währungsumr
Stellung uns aufgezwungene Schuldenlast seit dem 20. 3. 1945.
Wir fordern im Namen der Notgemeinschaft der Währungsgeschädigten hinsichtlich der besonderen Dringlichkeit, dies in
der heutigen Stadtverordnetenversammlung dem Hause zur A b stimmung vorzulegen.
Ich brauche nicht darauf aufmerksam zu machen, daß eine Abstimmung über
eine Eingabe außenstehender P e r s o n e n nach der Geschäftsordnung nicht v o r genommen werden kann.
Ich habe Sie aber dann noch in Kenntnis davon zu setzen, daß ich ges t e r n und heute zwei g r ö ß e r e Delegationen empfangen habe, einmal eine Delegation des F r i s ö r h a n d w e r k s , die in bewegten Worten auf die bedrohliche L a ge i h r e s Gewerbes hingewiesen hat, die dadurch entstanden ist, daß infolge des
Währungsgefälles in Berlin eine große Abwanderung der Kundschaft nach dem
Ostsektor erfolgt ist, und die nun ähnliche Schutzmaßnahmen für ihr Gewerbe
fordert wie der p r o v i s o r i s c h gewählte Ausschuß der Gewerbetreibenden.
Außerdem hat mich heute morgen in Gegenwart von V e r t r e t e r n der
Stadtverordnetenversammlung eine Delegation der Siemens-Belegschaft aufgesucht und auf die außerordentlichen sozialen Spannungen aufmerksam gemacht,
die durch die unterschiedliche Ausstattung mit Westmark bei der Belegschaft
aufgetreten sind. Sie halten die 10%ige Quote für die im Osten wohnenden,
im Westen arbeitenden Belegschaftsmitglieder für untragbar.
Meine Damen und H e r r e n ! Dann darf ich Sie noch darauf a u f m e r k s a m
machen, daß die T r a u e r f e i e r für den v e r s t o r b e n e n Kollegen Karl L e h r e r m o r gen um 12, 30 Uhr im K r e m a t o r i u m Wilmersdorf stattfindet.
Ich würde nun vorschlagen, daß wir zunächst die Währungsfragen zusammenfassend vornehmen. Ich darf darauf aufmerksam machen, daß neben
dem Antrag der F D P , den ich eben v e r l a s , dem Dringlichkeitsantrag der SPD,
        
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