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Periodical volume Nr. 64, 15. April 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Aber wenn Sie so sehr um die Nöte der B e r l i n e r besorgt sind, so steigern
Sie mit I h r e n Artikeln diese Nöte nur noch m e h r . Ich will Ihnen sagen, wie
die Dinge liegen. Ich war ja neulich schon einmal nach dem Westen geflohen, und ich habe mich von da h i e r h e r beurlauben l a s s e n .
(Heiterkeit.)
H e r r Dr. Suhr hat ja auch dank der S p e r r e seine Möbel doch hierbehalten
müssen.
(Ernemte H e i t e r k e i t . )
Im Westen sagte man m i r : wir können euch kaum Lohnarbeiten nach B e r lin geben - ich hatte mich ja d a r u m bemüht, Verbindungen zu schaffen -;
denn wir wissen nicht, wie die Sicherheit in B e r l i n ist; wir wissen auch
nicht, welche Transportmöglichkeiten für den Rücklauf der Waren vorhanden
sind. Berlin bekommt in unzähliger Menge Stoff aus dem Westen, um sie
zu v e r a r b e i t e n . J e d e r Mensch, der Schuld d a r a n trägt, daß uns ein Auftrag
v e r l o r e n geht, handelt v e r b r e c h e r i s c h an der Bevölkerung Berlins
(sehr r i c h t i g ! bei der SPD)
und hilft, mag er es aus Dummheit tun oder aus Bosheit - ich weiß es nicht -,
dort Konkurrenzen aufzuziehen, die an sich keine sein könnten. E s war B e r lins große Meisterleistung, die vorbildlichste Konfektion E u r o p a s , möchte ich
sagen, zu liefern. Jetzt jagt man uns die Menschen aus dem Lande. Wenn Sie
Sorge haben, Ihre Industrie i m Osten zu " 3aalten, so w ä r e das mit wenigen
Strichen zu machen. Geben Sie den Menschen die Garantie, daß Leben, Gesundheit und Eigentum g e s i c h e r t sind!
(Lebhafte Zustimmung bei der SPD und der CDU.)
Dann werden auch weniger Leute das Bedürfnis haben, den Sitz zu verlegen.
E s gibt nun aber B e r l i n e r , die sich darum bemühen, in Frankfurt
oder anderswo F i l i a l b e t r i e b e aufzumachen. Sie möchten nämlich an dem Aufschwung der Konjunktur teilnehmen, der durch den Marshallplan e r w a r t e t
wird, und zwar mit Recht e r w a r t e t wird.
(Widerspruch und Lachen bei der SED. )
- J a , wir haben gesehen: durch die Demontagen sind wir ä r m e r geworden.
Nun l a s s e n wir m a l andere versuchen, ruhig mitzuarbeiten! Also mam will
dort in j e d e m F a l l e bei der Vergebung von Aufträgen und anderen Dingen
eine Filiale besitzen. Wenn man dort von Besitzverlegungen spricht, dann
ist man leider für wirtschaftliche Dinge nicht Fachmann. Nun können wir
ja nicht von jedem, der sich berufen fühlt, zu diesen Dingen Stellung zu nehmen, e r w a r t e n , daß e r die großen Dinge kennt. Neulich mußte ich schon einm a l darauf hinweisen, daß man in einer Aktiengesellschaft, wenn man sein
S t i m m r e c h t geltend machen will, auch i m Besitz d e r Aktien sein muß. Die
m e i s t e n B e r l i n e r sind nicht i m Besitz d i e s e r Aktien, könnten also gegen Sitzverlegungen, wenn sie wollten, kaum stimmen, weil man ihnen die Aktien
noch nicht zurückgegeben hat.
(Sehr wahr! bei der SPD und der CDU.)
        
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