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Periodical volume Nr. 53, 15. Januar 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Ich empfehle Ihnen, einmal die Briefe von Walther Rathenau durchzulesen,
und ich empfehle Ihnen, einmal in der Geschichte nachzusehen, was an dies e m Tage war, wo Walther Rathenau e r m o r d e t worden ist. Da hat der
Reichskanzler Wirth das Wort gesprochen: Der Feind steht r e c h t s ! Nur
einer hat es nicht begriffen: die r e c h t e Seite des R e i c h s t a g e s . Damit Sie
das genau wissen!
H e r r Swolinzky sprach davon: das ganze Deutschland soll es sein,
und H e r r Swolinzky hat sich dagegen gewehrt, daß die Sozialdemokratische
P a r t e i daran schuld ist, was sich in Saarlouis abgespielt hat. Ich will Ihnen
folgendes sagen, H e r r Swolinzky: wenn Sie heute in das Saargebiet kommen
oder mit Männern sprechen, die aus dem Saargebiet kommen, dann werden
Sie erfahren, daß die Politik der Anschlußparteien, nämlich der C h r i s t l i chen Volkspartei, der Sozialdemokratischen P a r t e i und der Demokratischen
P a r t e i im Saargebiet, auf das heftigste von der Saarbevölkerung angegriffen werden, und daß das Saargebiet nicht m e h r daran denkt, diesen Anschlußparteien in irgendeiner Weise nachzukommen. Ich habe leider nicht
die Zeit, Ihnen hier auseinanderzusetzen, was durch Ihre führende Politik
im Saargebiet mittlerweile eingetreten ist, aber vielleicht haben Sie einm a l die Liebenswürdigkeit, H e r r Swolinzky, und erkundigen sich, was nach
der Einführung des F r a n k e n , die lediglich durch die Haltung I h r e r F r e u n d e
ermöglicht worden ist, im Saargebiet eingetreten ist. Vielleicht stellen Sie
einmal fest, daß sämtliche Sparkassen i h r e Einlagen an das französische
Schatzamt abliefern mußten, und daß in Zukunft nur Beträge weitergeleitet
werden an das französische Schatzamt.
(Zuruf von der SPD: Und wo sind die Sparkasseneinlagen in B e r lin geblieben?)
- E s handelt sich nicht darum, wo die Sparkasseneinlagen in Berlin geblieben sind, sondern darum, was I h r e P a r t e i mittlerweile durch diesen
Anschluß im Saar gebiet zustande gebracht hat. Darum handelt es sich.
(Zuruf: Warum kommen Sie soweit a b ? )
- Das mag Ihnen unangenehm sein, a b e r wir haben die F r a g e des S a a r g e biets nicht angeschnitten.
Ich habe leider nur 10 Minuten Redezeit. Ich bin gern b e r e i t , mich
draußen weiter mit Ihnen darüber zu unterhalten. Wenn Sie meine R e d e z e i t
v e r l ä n g e r n , werde ich Ihnen hier weiter auseinandersetzen, was sich in
der Geschichte abgespielt hat.
(Rufe: Zur Sache! - Glocke des V o r s t e h e r s . )
V o r s t e h e r S U H R : H e r r Stadtv. Litke, ich muß Sie darauf aufm e r k s a m machen, daß Ihre Redezeit in zwei Minuten abgelaufen ist.
Stadtv. L I T K E (SED) : Ich habe nach d i e s e r Uhr h i e r d r e i
Minuten vor 5 Uhr zu sprechen angefangen, vier Minuten vor 5 hat noch
mein V o r r e d n e r gesprochen. Aber bitte sehr, ich bin auch bereit, mit der
F r a g e Schluß zu machen: Ich will Ihnen nur das eine sagen: Hier i s t u. a.
        
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