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Periodical volume Nr. 90, 26. November 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Antrag zurückzuziehen. Das Koalitionsrecht ist Voraussetzung all der
Dinge, die h i e r b e r e i t s in den einzelnen Verfassungsartikeln gefordert
worden sind. Ohne daß es Voraussetzung w ä r e , wäre es niemals zu
diesen F o r m u l i e r u n g e n in den einzelnen Artikeln gekommen. Und dann
noch eine kleine a n d e r e Überlegung. Der Antrag ist ja auch i m höchs t e n Maße widersprüchig. Wenn Sie Ihren Antrag richtig formulieren
.wollten, müßten Sie, nachdem es in Artikel 18 heißt "alle Männer und
F r a u e n haben das Recht, Vereine und Gesellschaften zu bilden", da
Unternehmer auch Männer oder F r a u e n sind., sagen: "Alle Unternehm e r haben das Recht, Vereine zu bilden, aber sie haben nicht das Recht,
Verbände zu bilden. " Und da möchte ich m a l die Verlegenheit sehen,
in die Sie kommen, wenn Sie nun zwischen Vereinen und Verbänden unt e r s c h e i d e n sollen. Das ist ja gar nicht möglich. Dieser Antrag ist in
höchstem Maße überholt, überflüssig und widersprüchig, und ich glaube, daß Sie wirklich gut d a r a n tun würden, diesen Antrag zurückzuziehen und nicht auf Abstimmung zu bestehen. Denn Unternehmerverbände
verbieten nützt Ihnen gar nichts. Sie m ü s s e n diejenigen o r g a n i s a t o r i schen und gesetzlichen Maßnahmen im einzelnen treffen, die die Wirkung des Z u s a m m e n s c h l u s s e s von Unternehmern einmal in einem Rahmen halten, der nicht den Rahmen e r r e i c h e n kann, den wir früher hatten, und zweitens dafür sorgen, daß Unternehmerorganisationen die Zusammenfassung der Unternehmensleitungen sind - H e r r Kollege T i b u r tius hat b e r e i t s darauf hingewiesen -, jene F o r m bilden, die wir im Wirtschaftskammergesetz gefunden haben. E s ist keine Möglichkeit, heute
noch davon zu sprechen, daß irgend jemand - ich sage sogar: in diesem
Hause noch Unternehmerverbände will, wie man sie früher wollte, und
infolgedessen ist auch die F o r d e r u n g h i e r : "Unternehmerverbände sind
zu verbieten" völlig überholt, denn das, was an Unternehmenszusammenschlüssen möglich sein soll, ist im Wirtschaftskammer ge setz in einer
Weise geregelt, daß man davon überzeugt sein kann, a b g e s d i e n von dem
Absatz 2 des A r t i k e l s 18, daß eine Möglichkeit, daß eine U n t e r n e h m e r macht w i e d e r h e r g e s t e l l t werden kann,
in irgendeiner qualitativen
und quantitativen Vergleichbarkeit mit früher nicht m e h r gegeben ist. Ich
glaube, Sie würden wirklich gut daran tun, Ihren Änderungsantrag zurückzuziehen.
Stadtv. SC H Ö P K E (LDP) : Meine Damen und H e r r e n ! Die A u s führungen v ö m K o l l e g e n P r o f e s s o r Tiburtius und von H e r r n Stadtrat Klingelhöfer haben mich in die Lage v e r s e t z t , jetzt nur noch einige Worte e r gänzend dazu zu sagen. H e r r Kollege Chwalek hat die Ansicht geäußert,
daß jeder, der den Abänderungsantrag d e r SED nicht akzeptiert, ein T o t e n g r ä b e r dieser Verfassung «ein werde. Nun ist es ja ein schweres Schick
s a l - das empfinden wir L i b e r a l - D e m o k r a t e n , die wir sehr eingehend an
der Verfassung mitgearbeitet haben - für diejenigen, die eben die V e r f a s sung mitgeschaffen haben, nun von v o r n h e r e i n Totengräber d i e s e r eigenen
Verfassung sein zu m ü s s e n , und deswegen ist es ja schon notwendig, daß
wir auch einiges dazu sagen. H e r r Kollege Chwalek hat selbsterkennend
vorhin e r k l ä r t , daß seine Gedanken nicht neu seien. Das können wir nur
        
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