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Periodical volume Nr. 53, 15. Januar 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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den politischen P a r t e i e n angehören, der einen oder anderen P a r t e i . Als
ich noch Gewerkschaftsführer war, war das jedenfalls eine unerläßliche
Bedingung. Wir protzten damals nicht mit Unorganisierten; wir m i ß b r a u c h ten sie noch nicht einmal. Also wenn die Gewerkschaften so frei wären,
wie ich es ihnen gönnte, wäre sicher der letzte Mann gewerkschaftlich o r ganisiert.
Aber nun sagen Sie: die heutige Situation hat eine ungewöhnliche
Ähnlichkeit mit der Situation von 1848. Ja, auch wir werden a m 18. M ä r z
für die F r e i h e i t des deutschen Menschen zu d e m o n s t r i e r e n haben, und ich
befinde mich absolut in W i d e r s p r u c h zu einem der H e r r e n I h r e r P a r t e i ,
der im Ä l t e s t e n r a t sagte: wenn wir die Sache so aufziehen, ist ja kein Mensch
gezwungen, mitzumachen. Das möchten wir nicht. Wir möchten nicht, daß
Menschen zu F e i e r t a g e n gezwungen werden, sondern wir möchten, das Menschen in heller Begeisterung an solchen Dingen teilnehmen.
(Zustimmung bei der SPD. )
Darum die Ähnlichkeit zwischen heute und damals. Wir haben allen Anlaß,
heute s t ä r k e r a l s je zu betonen: wir lehnen jede Diktatur ab, ob sie nun eine
m i l i t ä r i s c h e oder eine a n d e r e sein sollte,
(Zuruf von der SED: E u r e eigene auch?)
Sie sprachen von den geistigen Einflüssen, die Sie nicht zu würdigen wissen. Wir sind nicht für die Diktatur. Die SPD hat auch keine Konzent r a t i o n s l a g e r oder ähnliches.
(Wiederholte Zurufe von der SED. )
Wir haben bis jetzt i m m e r noch durch eine geistige Beeinflussung der Menschen
(Widerspruch bei der SED)
die g r ö ß e r e Menge der B e r l i n e r Arbeiterschaft auf u n s e r e r Seite gehabt.
Wir brauchten nicht an F u r c h t und Not und Sorge zu appellieren. Uns folgten die Menschen aus Überzeugung.
Sie rügen nun, daß wir den Kulturbund nicht beteiligt haben. Ich
glaube, wenn eine Stadt eine F e i e r , die von der Stadt getragen wird, v e r anstaltet, dann genügt e s , wenn sich die beiden zuständigen Stellen, der Mag i s t r a t und das Stadtparlament, mit diesen Dingen beschäftigen. Ich nehme
zu Gunsten der führenden Leute im Kulturbund an, daß sie sicher aus d e m o k r a t i s c h e m Instinkt es der gewählten Körperschaft B e r l i n s und nicht x - b e l i e bige sich Anschließenden ü b e r l a s s e n , solche F e i e r n vorzubereiten, zumal
wenn die F e i e r n im Namen der Stadtgemeinde v e r a n s t a l t e t werden. Wenn der
Kulturbund unter irgendwelchen besonderen Einflüssen oder Absichten von
sich aus irgendeine Veranstaltung an diesem Tage s t a r t e n will, dann haben
wir absolut nichts dagegen einzuwenden. Aber die städtische Veranstaltung
wollen wir als T r ä g e r in Szene setzen.
        
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