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Periodical volume Nr. 53, 15. Januar 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Wenn es sich b e r e i t s 1848 zeigte, daß K r e i s e des B ü r g e r t u m s i h r e eigene
Revolution v e r r i e t e n , dann besteht heute alle U r s a c h e , zu betonen, daß zur
Sicherung einer demokratischen Entwicklung u n s e r e s Volkes auchgehört,
mit jenen Mächten der Vergangenheit Schluß zu machen, die u n s e r Volk
zweimal in die nationale Katastrophe führten. Die Tage um den 18. M ä r z
sind also auch bedeutungsvolle Tage im Sinne des Inhalts u n s e r e r D e m o k r a tie, im Sinne der F r a g e , welche ökonomischen Kräfte in Deutschland das
Schicksal des deutschen Volkes entscheiden werden.
Es ist der Vorschlag gemacht worden, daß in einer a u ß e r o r d e n t lichen Stadtverordnetenversammlung a m 18. M ä r z b e s c h l o s s e n w e r d e n soll,
eine Hochschule für Politik zu gründen, bzw. bis dahin sollen die v o r b e r e i tenden Arbeiten durchgeführt werden. Abgesehen davon, daß es eine etwas
ü b e r s t ü r z t e Angelegenheit ist, bis zum 18. M ä r z eine Hochschule für Politik
sozusagen aus dem Boden zu stampfen, glaube oder hoffe ich nicht, daß diese
außerordentliche Stadtverordnetenversammlung lediglich zu d i e s e m Zwecke
einberufen werden soll. Uns scheint, daß die geplanten F e i e r n und V e r a n s t a l tungen doch etwas zu sehr den formalen, r e p r ä s e n t a t i v e n Charakter t r a g e n ,
wie er noch vor etwa 15 J a h r e n üblich war. Wir meinen, daß es darauf ankommt, u m a m 18. M ä r z wirklich der Bevölkerung B e r l i n s die Möglichkeit
zu geben, ihren Willen zur Demokratie zum Ausdruck zu bringen - -

i

(Stadtv. Barthelmann: Das macht sie ohne euch; dazu braucht sie
• euch nicht. - Zuruf von der SPD: M a r s c h i e r e n ! M a r s c h i e r e n ! )
- Ich h ö r e den Zwischenruf: ' ' M a r s c h i e r e n , m a r s c h i e r e n " .
daß Sie noch einmal wie unter Hitler m a r s c h i e r e n wollen.

Ich hoffe nicht,

(Lebhafte Rufe von der SPD und der CDU: Nein!)
Ich habe a b e r vernommen, daß heute m o r g e n - oder war es g e s t e r n ? in
einem Ausschuß des Stadtparlaments der Stadtverordnete Sowlinzky eine
solche Bemerkung gemacht hat.
(Zuruf von der SPD: E r hat sich gegen das M a r s c h i e r e n gewandt 1 .)
Er hat gesagt: wir wollen nicht m a r s c h i e r e n ; wir brauchen überhaupt keine
Demonstration;
(hört! hört! bei der SED)
wir wollen uns auf dem G e n d a r m e n m a r k t v e r s a m m e l n , bzw. wir wollen
eine Kranzdelegation zum F r i e d r i c h s h a i n , zu den G r ä b e r n der Märzgefallenen gehen lassen; im übrigen a b e r leben wir in neueren Zeiten, es gibt
m o d e r n e r e V e r k e h r s m i t t e l ; die Bevölkerung kann ja an der anderen Seite
stehen und sich die Dinge anschauen. Ich bedaure, daß der F r a k t i o n s v o r sitzende der Sozialdemokratischen P a r t e i in einem Ausschuß zur V o r b e r e i tung der Märzfeier solche Worte gebrauchte. Wenn die sozialdemokratische
F r a k t i o n der Meinung ist, daß die Zeiten heute a n d e r e sind,
(wiederholte Zurufe von der SPD)

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