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Periodical volume Nr. 59, 18. März 1948, Außerordentliche festliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Das Wort hat die B e r i c h t e r s t a t t e r i n F r a u Stadtverordnete L u c h t - P e r s k e .
Stadtv. F r a u L U C H T - P E R S K E (SPD): Meine H e r r e n und
Damen! Wie F r a u O b e r b ü r g e r m e i s t e r Schroeder soeben erwähnte, hat
der Magistrat der Stadtverordnetenversammlung d r e i Vorlagen gemacht,
die die Stiftung von P r e i s e n für L i t e r a t u r , Musik und bildende Kunst zum
Inhalt haben. Der Volksbildungsausschuß, dem die Vorlagen zur Beratung
von der Stadtverordnetenversammlung überwiesen wurden, hat sich mit
diesen Vorlagen beschäftigt. Er stimmte überein in dem Wunsch, daß
nicht für die gesamte Bildende Kunst nur ein P r e i s gestiftet würde, sondern daß gleichzeitig Malerei, Graphik und Bildhauerkunst berücksichtigt
würden. Der Volksbildungsausschuß ist sich mit Magistrat und Stadtverordnetenversammlung einig in dem Bewußtsein der hohen kulturellen Aufgaben, die Berlin schon aus seiner besonderen gegenwärtigen Situation
h e r a u s zu erfüllen hat. E r schlägt vor, einen großen B e r l i n e r Kunstpreis
zu stiften, und zwar in Höhe von 250 000 RM. Zu unterteilen ist er in fünf
Klassen für L i t e r a t u r , für Musik, für Graphik, für M a l e r e i und für Bildhauerkunst. Er soll den Namen tragen " B e r l i n e r Kunstpreis - J u b i l ä u m s stiftung 1848/1948". Er soll ve rgeben werden an Künstler, die sowohl
durch ihr Leben wie durch ihr Werk mit Berlin eng verbunden sind, und
zwar alljährlich für jede der aufgeführten Klassen in Höhe von 50 000 RM
in voller Höhe oder geteilt. Einzubeziehen ist in diesen L i t e r a t u r p r e i s der
F o n t a n e - P r e i s , der vor einiger Zeit vom Schriftstellerkongreß gestiftet
wurde. E r ist vorgesehen für den hochwertigsten Roman, der k ü n s t l e r i s c h
einwandfrei und k ü n s t l e r i s c h überzeugend die demokratischen Ideale der
Humanität und der F r e i h e i t gestaltet. Der gesamte L i t e r a t u r p r e i s wird den
Namen " F o n t a n e - P r e i s " tragen.
Aus Anlaß des 70. Geburtstages von F r a n z Schreker soll zu seinem
Gedächtnis der Musikpreis einmalig als " F r a . n z - S c h r e k e r - P r e i s " verteilt
wteSden* einmal zur Ehrung des Künstlers,, d e s s e n Werke awö*lf J a h r e lang
einem Aufführungsverbot unterlagen, zum anderen aber weil B e r l i n der
Welt beweisen will und muß, daß die Kunst der neuen Wege und des F o r t s c h r i t t s nicht wie in der Nazizeit in Acht und Bann getan werden soll, sondern daß B e r l i n ^n dem Bewußtsein seiner hohen kulturellen Verpflichtung
a l l e s tun will, die Kunst zu schützen, zu fördern und ihr neue Impulse zu
geben. Deshalb meine H e r r e n und Damen, bitte ich Sie, für den Ihnen
vorliegenden Beschluß des Volksbildungsausschusses mit der kleinen r e daktionellen Abänderung des Haushalt saus Schusses zu stimmen.
V o r s t e h e r S U H R : Wortmeldungen liegen nicht vor. Abänderungsanträge sind nicht gestellt. Wir kommen daher zur Abstimmung. Wer der
Vorlage 717, Beschluß des A u s s c h u s s e s für Volksbildung vom 16. März 1948
mit der redaktionellen Änderung des Hauptausschusses vom 16. März 1948,
zustimmen will, bitte ich, das Handzeichen zu geben. - Ich stelle e i n s t i m mige Annahme fest.
(Dr. Tiburtius: Nein, zwei Stimmenthaltungen!)
        
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