Path:
Periodical volume Nr. 59, 18. März 1948, Außerordentliche festliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

59

15

schaffen und dort die Möglichkeit geben, in freier A u s s p r a c h e oder in
f r e i e r Schulung ohne ein Diplom, ohne ein s p ä t e r e s Examen eine solche
Tätigkeit durchzuführen. Eine Hochschule für Politik aber muß dem
C h a r a k t e r , dem Wesen nach das gleiche sein wie jene Hochschule für
Politik, die nach 1918 schon einmal e r r i c h t e t wurde und die i h r e m Wesen
nach eine Aschenbrödelrolle im deutschen Hochschulleben spielte. Wir
möchten vermeiden, daß die Gesellschaftswissenschaften auf einen Aschenbrödelplatz verwiesen werden.
Wir t r e t e n deshalb dafür ein, daß e r s t e n s u n s e r e Universitäten Heimstätten der Gesellschaftswissenschaften werden, denn nicht nur die heute
schon im politischen Leben stehenden und verantwortlichen P e r s o n e n haben
die Aufgabe, sich über die politischen F r a g e n Klarheit zu schaffen, sondern
gerade jene, die den Weg über die Universitäten gehen, die u n s e r e n zukünftigen Staatsapparat und Wirtschaftsapparat ausmachen werden, brauchen
Klarheit über u n s e r e gesellschaftlichen Verhältnisse und die Aufgaben, die vor
u n s e r e m Volke stehen. Die zweite Funktion, die der Hochschule zugedacht
ist, die Funktion, der Völkerverständigung zu dienen, kann mit Hilfe u n s e r e r
ordentlichen Universitäten ja mit der allseitigen Unterstützung der d e m o k r a tischen P a r t e i e n auf jede beliebige Weise durchgeführt werden.
(Beifall bei der SED.)
V o r s t e h e r S U H R : Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Wir
kommen zur Abstimmung. Wer der Vorlage 100/716, Beschluß des A u s s c h u s s e s für Volksbildung vom 16. März 1948 zu der Vorlage - zur B e schlußfassung - über Wiedererrichtung der Deutschen Hochschule für P o l i tik seine Zustimmung geben will, bitte ich, das Handzeichen zu geben. Die Vorlage i s t mit Mehrheit b e s c h l o s s e n .
Das Wort hat nunmehr F r a u O b e r b ü r g e r m e i s t e r Schroeder.
Stellv. O b e r b ü r g e r m e i s t e r F r a u S C H R O E D E R : Meine H e r r e n
und Damen Stadtverordneten! Sie haben soeben eine Hochschule für Politik
beschlossen, und ich darf Ihnen i m Namen des M a g i s t r a t s v e r s p r e c h e n ,
daß wir alles daran setzen werden, damit diese Hochschule für Politik,
die wir b e r e i t s bis zum J a h r e 1933 hatten, und an der viele von uns als
Hörende wie als Lehrende teilgenommen haben, so bald wie möglich in
B e r l i n wieder Wirklichkeit wird. Ich glaube, daß damit den b r e i t e s t e n
Schichten u n s e r e s arbeitenden Volkes die Möglichkeit gegeben wird, ihr
Wissen zu b e r e i c h e r n und dem Staate zu dienen.
Nun aber liegt Ihnen noch eine Reihe von Vorlagen vor, zu denen Sie
m i r wenige Worte gestatten mögen.
Sie wollen heute auf Grund einer Vorlage, die der Magistrat Ihnen
u n t e r b r e i t e t hat, einen P r e i s stiften, der u n s e r e n Künstlern zugute kommen
soll und der damit dem k ü n s t l e r i s c h e n Wirken für unser Volk zugute kommen
wird. Sie wollen gleichzeitig mit dem heutigen Tage für u n s e r e Kinder, die
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.