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Periodical volume Nr. 59, 18. März 1948, Außerordentliche festliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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für Politik hat schon m e h r e r e Male die B e r l i n e r Stadtverordnetenversammlung beschäftigt. Wir hatten uns mit d i e s e r F r a g e das e r s t e Mal
befaßt, als wir den Etat für das kommende Jahr aufstellten, und in
ihm eine namhafte Summe für die Errichtung dieser Einrichtung festsetzten. Nachdem auf Grund d i e s e s B e s c h l u s s e s der Magistrat uns
eine Vorlage ü b e r r e i c h t hat, hat nunmehr der Volksbildungsausschuß
der G r o ß - B e r l i n e r Stadtverordnetenversammlung diese Vorlage b e r a ten und schlägt der Stadtverordnetenversammlung einen Beschluß vor,
wonach der Magistrat ersucht werden soll, uns eine eingehende Vorlage bis
zum 1. Mai d. J s . zu machen, die einen Satzungsentwurf für die Hochschule
enthält und Vorarbeiten ermöglicht, daß die Lehrtätigkeit am 1. Oktober
d. J s . aufgenommen werden kann.
Bei der Beratung im Volksbildungsausschuß zeigte sich eine volle
Einmütigkeit der Mitglieder aller Fraktionen nach der Richtung, daß
eine Ausbildung in den F r a g e n des politischen Wissens und Könnens notwendig sei. E s zeigte sich auch eine volle Einigkeit darin, daß die Notwendigkeit einer solchen politischen Ausbildung gerade in u n s e r e r Zeit
betont werden m ü s s e . E s zeigte sich aber keine Einigkeit d a r ü b e r , welcher Weg der richtige sei.
Eine Mehrheit, bestehend aus den Stadtverordneten der sozialdemok r a t i s c h e n Fraktion, der F r a k t i o n der C h r i s t l i c h - D e m o k r a t i s c h e n Union
Und der F r a k t i o n der L i b e r a l - D e m o k r a t i s c h e n P a r t e i entschied sich dafür,
daß die politische Ausbildung in einer besonderen Hochschule für Politik
erfolgen solle, während die Mitglieder der Fraktion der SED sich auf den
Standpunkt stellten, daß es r i c h t i g e r sei, diese Ausbildung in einer g e s e l l schaftswissenschaftlichen Fakultät der B e r l i n e r Universität vorzunehmen.
E s ist nicht meine Aufgabe, in dieser festlichen Sitzung der Stadtv e r o r d n e t e n v e r s a m m l u n g auf die Einzelheiten der Hochschul-und Universitätspolitik in d i e s e r Stadt einzugehen. Die Mehrheit hat den Wunsch
ausgedrückt, daß es eine selbständige deutsche Hochschule für Politik
in Berlin wieder erricHst wird. So, wie sie seinerzeit vor 1933 hier in
B e r l i n bestanden und gewirkt hat.
Im Ausschuß wurde bei der Beratung der Vorlage noch ein grundlegender Punkt b e r ü h r t , auf den ich hier in aller Kürze hinweisen möchte.
Nach Auffassung der Mehrheit des A u s s c h u s s e s soll die Aufgabe der neuen
Hochschule sein, die Tradition der alten deutschen Hochschule für P o l i tik von vor 1933 wieder aufzunehmen und fortzusetzen. E s wird sich im
Anfang natürlich nur darum handeln können, daß zunächst die w e s e n t l i chen Aufgaben begonnen und erfüllt werden. Wie d a m a l s wird es auch
jetzt notwendig sein, daß der wesentliche Unterschied beachtet wird, den
diese Hochschule gegenüber den anderen Hochschulen der Stadt hat. Denn
die Hochschule für Politik dient nicht der beruflichen Ausbildung. Schon
d a m a l s in der alten Hochschule für Politik hieß e s in den Besuchsbedin-
        
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