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Periodical volume Nr. 56, 26. Februar 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Aber ich möchte einen grundsätzlichen Standpunkt anknüpfen.
E s haben die d r e i süddeutschen Staaten Bayern, W ü r t t e m b e r g - B a d e n
und Hessen einen S t a a t s v e r t r a g geschlossen. Ich stelle die F r a g e , wie
diese Staaten das nun eigentlich staatspolitisch gesehen gemacht haben.
Wenn ich recht o r i e n t i e r t bin, fehlt an der Souveränität der deutschen Staa, ten wie ganz Deutschland noch eine ziemliche Kleinigkeit. Ich halte es
für reichlich übertrieben, daß heute ein deutscher Staat oder Deutschland von Souveränität spricht. Daß nun nicht souveräne Staaten', die auf
ihr Statut noch e r s t warten bzw. auf einen F r i e d e n s v e r t r a g warten, einen
S t a a t s v e r t r a g abschließen, e r s c h e i n t m i r i m m e r h i n b e s o n d e r s b e m e r k e n s wert. Ich sehe hier k e i n e r l e i ausreichende Rechtgrundlagen. Daß sie aber
" den S t a a t s v e r t r a g unter sich zu Dreien abgeschlossen haben und k e i n e s wegs an Berlin gedacht haben, ergibt sich d a r a u s , daß sie die finanzielle
Belastung durch d i e s e s Institut in d i e s e m S t a a t s v e r t r a g b e r e i t s geteilt
haben mit 50% für Bayern, 25% für Hessen und 25% für B a d e n - W ü r t t e m b e r g . E r s t nachdem die Dinge sich in der Öffentlichkeit v e r b r e i t e t e n und
man m e r k t e , daß die Dinge doch nicht so gingen, wie man glaubte, hat
man denn großzügigerweise auch den anderen erlaubt, einiges beizusteuern,
darunter Berlin 16 1/2 %. Wir b e s t r e i t e n also v o r e r s t einmal die s t a a t s politische Möglichkeit eines solchen V e r t r a g e s und einer solchen Stiftungsurkunde.
Dann kommt der wichtigere Gesichtspunkt, der hier gar nicht gestreift worden ist. Das ist die F r a g e : was soll eigentlich eine F o r s c h u n g s hochschule? H e r r Stadtrat May setzt uns auseinander, daß es sich h i e r
nicht um eine Universität handelt, sondern um ein Institut, in dem Menschen, die b e r e i t s ein UniversitätsStudium und eine Qualifikation, eine a k a demische Qualifikation hinter sich haben, in die F o r s c h u n g s a r b e i t eingeführt
werden und von den entsprechend qualifizierten L e h r e r n . E s bedeutet das
einen ganz schweren und tiefen Eingriff in unser g e s a m t e s Bildungswesen,
vor a l l e m in u n s e r Universitätsleben. E s bedeutet die Trennung von L e h r e
und Forschung. Die Trennung d i e s e r beiden Gebiete ist für die Existenz und
die Entwicklung des deutschen Geisteslebens von ausschlaggebender Bedeutung. Das ist nicht nur meine persönliche unmaßgebliche Meinung. I c h kann
Ihnen dazu sehr unverdächtige Urteile maßgebender Leute vorführen. B e i spielsweise e r k l ä r t H e r r Prof. Dr. Vieweg-Darmstadt:

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Ich bin der Meinung, daß auch in der Zukunft die deutschen w i s senschaftlichen Hochschulen auf der Einheit von Forschung und
L e h r e im wesentlichen beruhen. Die P r o f e s s o r e n der Universität
stehen auf dem Standpunkt, daß eine Universität, die sich nicht
m e h r mit der F o r s c h u n g beschäftigt, weil sie die F o r s c h u n g a b gegeben hat an ein Spezialinstitut, ihren wesentlichen Charakter
v e r l i e r t und d e g r a d i e r t wird zu einer höheren Schule, vielleicht
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zu einer etwas b e s s e r e n höheren Schule, aber nur zu einem L e r n - J
institut. Der wahre Bildungszweck und die wahren Bildungsmöglich-'
keiten des Studenten liegen darin, daß er bei einem P r o f e s s o r s e i n e .
        
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