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Periodical volume Nr. 56, 26. Februar 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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hoffnungslosen Minderheit sind, in dem wir also nicht in der Lage sein
werden, d e r a r t i g e Ansprüche zu v e r t r e t e n . Denn wir brauchen ja nicht
allzu weit zu gehen, um zu sehen, welche Chancen Minderheiten haben,
auch wenn sie logisch und sachlich sehr begründete Gründe v e r t r e t e n ,
wenn sie sich einer sehr kompakten und disziplinierten Mehrheit gegenüber
befinden. Ich habe allerdings den Eindruck, daß sich das auch in diesem
Stiftungsrat der Forschungshochschule wahrscheinlich ähnlich so a b s p i e len würde, wie man das a n d e r e n o r t s schon beobachten konnte.
Ich möchte dann noch die F r a g e an H e r r n Stadtrat May richten,
w a r u m er aus der Stiftungsurkunde einen Artikel nicht v e r l e s e n hat. Der
A r t i k e l 11 war schon recht bedenklich, in dem gesagt wird, daß die V e r mögensverwaltung der Stiftung, die Kassenaufsicht, dem Bayerischen
S t a a t s m i n i s t e r i u m für Unterricht und Kultus ü b e r t r a g e n wird und die Rechnungsprüfung dem obersten Rechnungshof Bayern. H e r r Stadtrat May hat
Gelegenheit genommen, eingehend darzulegen, daß es sich h i e r nur um
eine Dienstauf sieht handelt, die k e i n e r l e i Einfluß in die innere Gestaltung
der Institution nimmt. Ich möchte doch bitten, d e r a r t i g e Bestimmungen
nicht nur so oberflächlich aufzufassen. Wir haben doch wohl die Erfahrung,
daß diejenigen Stellen, die das Geld geben, auch wenn es sich nur u m eine
Dienstaufsicht handelt, sehr wohl wissen, den Beutel dann zuzuhalten, wenn
ihnen in den anderen Sektoren nicht Genüge geschieht. Wir haben dafür B e i spiele hier in Berlin, wo es ja auch als die Pädagogische Hochschule in das
Amt für Hochschulen überführt wurde, hieß, daß es sich nur u m eine Dienstaufsicht handelte. Aber de facto handelte es sich u m ganz andere Dinge,
und ich bin der Ansicht, wenn die b a y e r i s c h e Regierung das Geld für diese
Hochschule gibt, wird H e r r Hundhammer auch Mittel und Wege w i s s e n
dafür zu sorgen, daß er für sein gutes Geld entsprechend r e s p e k t i e r t wird.
Aber es kommt dann hinterher noch der A r t i k e l 12, der heißt
schlicht und einfach:
'','''••'•'••.•.••
Die Stiftung u n t e r s t e h t der Aufsicht des B a y e r i s c h e n Staatsministei'iums für U n t e r r i c h t und Kultus.
(Hört! Hört!)
D i e s e r A r t i k e l ist uns eben nicht v e r l e s e n worden, und ich bin der Ansicht,
daß das eine sehr grundlegende Bestimmung ist, die besagt, daß die F o r schung shoch schule in Berlin von dem Kultusministerium in München, a l s o
von H e r r n Hundhammer, beaufsichtigt wird. Das ist ganz etwas a n d e r e s
als nur die Geldfrage. E s scheint sich in München noch nicht h e r u m g e s p r o chen zu haben, daß H e r r Hundhammer hier in B e r l i n nicht in allen K r e i s e n
gleich hochgeschätzt ist, und daß man der Ansicht ist, daß es hier i m m e r hin noch K r e i s e gibt, die einer Dienstaufsicht des H e r r n Hundhammer nicht
mit großem Vergnügen u n t e r s t e h e n würden. F ü r die Forschungshochschule
halte ich eine solche Regelung für vollkommen unmöglich. Dies nur zu dem
einzelnen, was H e r r Stadtrat May ausführte.
        
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