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Periodical volume Nr. 54, 29. Januar 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Stadtv. H A U T H (SED): Meine Damen und H e r r e n ! Ich glaube,
wir können uns theoretische Ausführungen über die Notwendigkeit einer
Geldreform e r s p a r e n . Wir sind uns darüber klar, daß eine Geldreform
dringend notwendig ist. Ich habe bisher angenommen, daß es niemand im
Hause gibt, der nicht der Meinung w ä r e , daß eine Währungsreform nur
einheitlich über ganz Deutschland erfolgen kann.
(Zustimmung.)
Ich v e r s t e h e deshalb den Antrag der SPD nicht. Ich v e r s t e h e ihn u m so
weniger, als der H e r r Kollege Bach Ausführungen dahingehend gemacht
hat: wenn eine einheitliche Währungsreform für ganz Deutschland nicht
zustande kommen sollte, wenn a l s o etwa die Bizone oder die sowjetische
Zone eine gesonderte Währungsreform machen sollte, dann m ü s s e n wir
uns überlegen, ob wir nicht in Berlin eine besondere Währungsreform
durchzuführen hätten. Wir warnen davor. Wir sind nicht b e r e i t , d i e s e n
Schritt mitzumachen, weil wir ein solches Vorgehen nicht für möglich
und wirtschaftlich t r a g b a r , ich möchte fast sagen, weil wir es für einen
Unfug halten würden. Ich bin also der Meinung: die E r ö r t e r u n g e n über
die Währungsreform in der P r e s s e auf Grund der E r k l ä r u n g e n der allii e r t e n Mächte haben wesentlich dazu beigetragen, eine gewisse V e r w i r rung, eine gewisse Unsicherheit in die Bevölkerung, vor allen Dingen
in u n s e r e Wirtschaft hineinzutragen. Wir wissen, welche Folgen diese
Gerüchte über eine nahe bevorstehende Währungsreform schon heute haben. Wir wissen, daß Waren und Kleingeld g e h a m s t e r t werden, daß mit
der Ware zurückgehalten wird. Alles das sind Folgen, die u n s e r e r Wirtschaft abträglich sind, ohne daß wir wissen, wie die Währungsreform
aussehen wird, wann sie kommen wird und wie sie Zustandekommen wird.
Wir haben nichts dagegen, daß der Magistrat beauftragt wird, in dem
Sinne zu wirken, wie H e r r P r o f e s s o r Tiburtius es eben gesagt hat, daß
der Magistrat sich Gedanken machen und Material sammeln soll, um es
an die zuständigen Stellen zu leiten und diesen Stellen mitzuteilen, was
B e r l i n berücksichtigt zu sehen wünscht, wenn eine einheitliche Währungsr e f o r m für Deutschland zustande kommen soll.
Ich bin der Meinung, daß der vorliegende Antrag insofern etwas unklar ist und vielleicht b e s s e r nicht gestellt worden wäre; denn wenn wir
schlechthin verlangen, daß der Magistrat beauftragt wird, unverzüglich
alle Maßnahmen für die reibungslose Durchführung einer baldigen Währ u n g s r e f o r m zu treffen, fragen wir u n s : was soll denn der Magistrat für
Maßnahmen zur Durchführung einer Währungsreform treffen? Wir wissen
n i c h t , wie das Ende aussieht und was werden soll. Wir können also dem
Magistrat keine Aufträge geben, ohne zu wissen, was aus solchen Maßnahmen werden soll.
Schließlich bin ich auch der Meinung, daß der Antrag an sich unklar
und unverständlich ist. Nehmen Sie den zweiten A b s a t z ! Da heißt e s :
        
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