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Periodical volume Nr. 95, 16. Dezember 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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., ;,
Vorsteher Stellv. Dr. S C H R E I B E R : Meine Damen und Herren!
Ich danke dem Herrn Stadtverordneten Landsberg für die Worte des Danke«,
die er soeben in Ihrer aller Namen für den Vorstand - ich nehme an, daß
der Dank sich auf den gesamten Vorstand bezieht - ausgesprochen hat. Ich
weißf daß dieser Dank mit besonderer Berechtigung für unseren Vorsteher
Herrn Dr. Suhr gilt, der heute leider nicht unter uns sein konnte.?
Meine Damen und Herren! In der Erwartung, daß die am 5. Dezember gewählte neue Stadtverordnetenversammlung für Groß-Berlin Mitte Januar
mit ihrer Arbeit beginnen wird, stehen wir hiermit am Ende der uns durch
die Vorläufige Verfassung gestellten Aufgaben. Die vornehmste Aufgabe,
die uns gestellt war, war die, eine neue Verfassung auszuarbeiten und den
Entwurf dieser Verfassung bis zum 1, Mai d. J. den Alliierten zur Genehmigung vorzulegen. Wir haben, dieses politische Soll erfüllt
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(Heiterkeit)

und haben uns auf allen Gebieten redlich bemüht, die Schwierigkeiten zu
meistern, der Bevölkerung in ihrer Not nach besten Kräften zu helfen und
aus den Ruinen dieser Stadt wieder blühendes Leben entstehen zu lassen.
Wir täuschen uns nicht darüber, daß wir infolge der beispiellosen Hindernisse, die unserer Arbeit bereitet wurden, den Fortschritt, den wir alle erhofft
haben, bei weitem nicht erreichen konnten. Die Entwicklung unserer Selbstverwaltung ist gehemmt und gehindert worden. Wir sind weit entfernt davon
geblieben, wirkliches Selbstbestimmungsrecht und die Gesamtheit der Machtbefugnisse in unserer Stadt ausüben zu können, wie uns das in dem Schreiben
der Herren Kommandanten bei Überreichung der Vorläufigen Verfassung versprochen worden war. Im Gegenteil, der tragische Irrtum, ein Gebiet durch
vier Mächte, die von so grundverschiedenen politischen, wirtschaftlichen
und moralischen Anschauungen ausgehen, gemeinsam verwalten zu wollen,
hat dazu geführt, daß die Schwierigkeiten und Nöte unserer Stadt und ihrer
Bevölkerung heute größer sind denn je.
Die Wahl vom 5. Dezember hat eindeutig gezeigt, daß die Bürgerschaft
Berlins sich bewußt ist, welche destruktiven Kräfte sie diesem Elend zu
verdanken hat.
(Sehr gut!

bei der SPD.)

Wir empfinden es besonders schmerzlich, daß die schändliche Blockade es
unmöglich gemacht hat, den sozialen Notständen des Winters so wirksam zu
begegnen, wie das notwendig gewesen wäre. Möge das neue Stadtparlament
seine Arbeit unter günstigeren Umständen verrichten können und möge die
zunehmende Zusammenarbeit Berlins mit Westdeutschland die erhofften
Früchte tragen und Wegbereiterin sein von Freiheit und gesamtdeutscher Einheit.
(Bravo!)
        
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