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Periodical volume Nr. 95, 16. Dezember 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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noch geleistet haben und damit der Antrag dann i m Hause Bonatz noch seine
gebührende Berücksichtigung findet.
Vorsteher Stellv. Dr. S C H R E I B E R : Ich eröffne die B e s p r e chung. - Wortmeldungen liegen nicht vor; wir kommen zur Abstimmung.
Ich bitte diejenigen, die dem Antrag 1141 zustimmen wollen, das Handzeichen zu geben. - Das ist einstimmig beschlossen.
Meine Damen und H e r r e n ! Wir kommen jetzt zu dem Entschließungsantrag der drei Fraktionen, den ich schon während der Sitzung bekanntgegeben habe, über die Herausgabe der Kriegsgefangenen. Zur Begründung
hat das Wort F r a u Stadtverordnete Ida Wolff.
Stadtv. F r a u Ida W O L F F (SPD) : Meine H e r r e n und Damen! Wir
wollen den letzten Sitzungstag der zwei a r b e i t s r e i c h e n J a h r e nicht v o r ü b e r gehen lassen, ohne d e r e r zu gedenken, die das schwere Los des v e r b r e cherischen Nazikrieges heute, noch tragen, nämlich der Kriegsgefangenen.
Das Leben hinter Stacheldraht, die ständige Sehnsucht nach Heimat
und F a m i l i e , die Aussichtslosigkeit i h r e s Daseins, das Dunkel i h r e s L e bens, die Angst, von der Heimat v e r g e s s e n zu werden, verpflichtet uns,
b e s o n d e r s in diesen Tagen dieser Menschen zu gedenken. Hunderttausende
F r a u e n , Kinder und Mütter warten zum vierten Mal zur Weihnachtszeit
auf die Rückkehr i h r e r Lieben.
In Jalta und P o t s d a m und nicht zuletzt bei den Konferenzen im März
1947 in Moskau übernahmen die Alliierten eine Garantie für die K r i e g s g e fangenen und gaben das feierliche Versprechen, alle Kriegsgefangenen bis
Ende 1948 zu entlassen. Von den Westalliierten sind die weitestgehenden
Erfüllungen eingetreten, während die r u s s i s c h e Besatzungsmacht i h r e V e r sprechungen bis jetzt nicht erfüllt hat. In den letzten fünf Monaten müßten
570 000 Männer und F r a u e n nach Mitteilung der sowjetischen Besatzungsmacht heimgekehrt sein. Schon im September teilten die r u s s i s c h e n L a g e r ä r z t e mif, daß die kinematischen Verhältnisse das Einhalten des E n t l a s sungstermins unmöglich machten.
(Hört! Hört!)
Wir sind überzeugt, daß bei gutem Willen die Schwierigkeiten zu überwinden
gewesen wären.
(Sehr richtig!)
Deutsche Kriegsgefangene bangen um ihre Heimkehr. Eine noch höhere
Zahl von Angehörigen sieht mit großer Sorge dem i m m e r langsamer w e r denden Entlassungstempo zu. Auch P r o t e s t e verschiedener Konferenzen
brachten nicht die Erfüllung dieser großen menschlichen Aufgabe. Das
Festhalten von Kriegsgefangenen geschieht nach dem Völkerrecht so lange,
wie die Gefahr besteht, daß freigelassene Kriegsgefangene erneut in die
Kriegführung einbezogen werden können.
(Sehr richtig!)
        
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