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Periodical volume Nr. 95, 16. Dezember 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Handzeichen zu geben. - Die Vorlage ist einstimmig angenommen.
Meine Damen und H e r r e n ! Wir kommen nunmehr zu der lfd. Nr. 29
u n s e r e r Tagesordnung, zur Beratung des Antrages über zwangsweise Einziehung von Beiträgen der Versicherungsanstalt Berlin, Vorlage Nr. 149/
1166. Ich frage, ob der B e r i c h t e r s t a t t e r das Wort wünscht. - Das Wort
hat F r a u Stadtv, Schroedter.
B e r i c h t e r s t a t t e r i n Stadtv. F r a u S C H R O E D T E R : Der A u s schuß für Sozialwesen hat sich in seiner letzten Sitzung mit dem Dringlichk e i t s a n t r a g der Fraktion der CDU über zwangsweise Einziehung von Beiträgen durch die Versicherungsanstalt Berlin von Selbständigen, die mehr
als 7 200 DM Jahreseinkommen haben, beschäftigt. Dieser Antrag hat
nicht die Zustimmung des Ausschusses gefunden, und die CDU hat statt
dessen einen neuen Antrag eingebracht, der folgenden Wortlaut hat:
Der Magistrat wird ersucht, die Versicherungsanstalt Berlin anzuweisen, bis zur Verabschiedung der Vorlage Nr. 133/1007 die Beit r ä g e der Selbständigen, die mehr a l s 7 200 DM J a h r e s e i n k o m m e n
haben, auf Antrag zu stunden.
Der Ausschuß empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung die Annahme
d i e s e s Antrages.
Vorsteher Stellv. Dr, S C H R E I B E R :
chung. Das Wort hat H e r r Stadtv. Bach.

Ich eröffne die B e s p r e -

Stadtv. B A C H (SPD) : Meine Damen und H e r r e n ! Es sprechen
eine ganze Reihe von Gründen gegen die Annahme dieses Antrages. Zunächst möchte ich darauf hinweisen, daß der Antrag i m Ausschuß mit
3 * 3 Stimmen, also mit der ausschlaggebenden Stimme des Vorsitzenden
angenommen worden ist. Der Antrag geht wesentlich weiter, als es nach
der harmlosen Fassung den Anschein hat. E r bezweckt eine Änderung der
geltenden gesetzlichen Bestimmungen über die SozialverSicherungspfMefa*.
E r behandelt eine F r a g e von grundsätzlicher Bedeutung in der Regelung
der Sozialversicherung, für die ein Gesetzentwurf b e r e i t s vorliegt, und
er bezweckt somit die Vorwegnahme der Regelung einer Einzelfrage aus
dem Gesamtkomplex des versicherungspflichtigen F e r s o n e n k r e i s e s . Die
F r a g e , ob die selbständigen Gewerbetreibenden versicherungspflichtig
sein sollen oder nicht, ist eine alte Streitfrage, und gerade in den K r e i s e n
der Gewerbetreibenden ist die F r a g e der Versicherungspflicht weitgehend
bejaht worden. Ich e r i n n e r e daran, daß in Zeiten schwerer Wirtschaftsk r i s e n es gerade die Gewerbetreibenden waren, die sagten: "Die A r b e i t e r
und Angestellten sind versorgt; sie sind in der Versicherung; aber wo
bleiben wir selbständig Schaffenden?".
(Zustimmung bei der SPD. )
Bei der sozialen Umschichtung in Deutschland, bei der völligen Umwandlung der sozialen Struktur der Bevölkerung kann heute niemand m e h r sagen,
daß er morgen in der Lage ist, für sich selber im Falle der Krankheit,
        
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