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Periodical volume Nr. 95, 16. Dezember 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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E i n m a l wirft man uns vor, wir handelten zu schnell, im anderen beklagt
man, daß irgendwie ungeordnete Verhältnisse sind.
Und nun: um was geht es hierbei wirklich? H e r r von Broich-Oppert
sagt, es wären keine Gewinne erzielt. Ich weiß nicht, ob wir hier in
sophistischer Weise darüber s t r e i t e n sollen, ob Gewinne erzielt sind
oder Schuldenminderungen stattgefunden haben. Aber wenn meine Schulden gemindert sind, dann habe ich praktisch doch einen Gewinn, und diese Gewinne zu erfassen, haben wir uns in diesem Gesetz bemüht. Ich
setze als bekannt v o r a u s , in den westlichen Sektoren sind sämtliche Schulden auf ein Zehntel i h r e s Nominalbetrages zusammengestrichen. Nicht so
i m Osten. Dort haben t r o t z des sogenannten Sozialismus, der dort besteht,
an dem wir stets gezweifelt haben, die Hypothekengläubiger i h r e vollen
Anrechte behalten. Hier nicht. Hier hat man sie auf ein Zehntel h e r a b g e setzt, und da haben wir geglaubt, im I n t e r e s s e des Wohnungsbaus, i m Int e r e s s e einer schnellen Beschaffung von Mitteln, um Wohnungen für u n s e r e
Bevölkerung wiederherzustellen, sollten wir diese hier geminderten Schulden, sprich Währungsgewinne oder Abwertungsgewinne, erfassen. Das soll
dieses Gesetz bringen, und ich betone ausdrücklich, neben der sehr sorgfältigen Arbeit haben wir sämtliche Fachleute, die es irgendwie in Berlin gab,
und zwar sehr prominente P e r s o n e n aus dem Wohnungswesen, herangezogen. Unbeschadet i h r e r politischen Einstellung haben wir uns mit den E x p e r t e n unterhalten und haben stets Zustimmung gefunden. E s waren H e r r e n
aus dem Wohnungswesen ganz B e r l i n s aus den v e r s c h i e d e n s t e n P a r t e i e n
mit uns zusammen, und alle Fachleute waren rückhaltlos damit e i n v e r s t a n den, daß dieses Gesetz baldigst verabschiedet werden m ü s s e .
Wenn man uns nun sagt, man solle diese Dinge u n t e r l a s s e n , bis wir
ein einheitliches Gebilde zwischen dem westlichen Deutschland und Berlin
geschaffen haben, dann weiß ich nicht, wann wir zu einer Regelung dieser
so dringenden Aufgabe kommen. Und ich frage sehr ernsthaft die CDU:
Sind Sie so wenig daran i n t e r e s s i e r t , daß wir den Zweck dieses Gesetzes
erfüllen: Wohnungen schaffen und a r b e i t s l o s e n Menschen eine E i n k o m m e n s möglichkeit? Und d a r u m bedauern wir sehr, daß Sie den Grundsatz, den
Grundgedanken dieses ö'esetzes so wenig achten, daß Sie heute noch Schwierigkeiten machen oder eine Vertagung empfehlen. Wir sind der Meinung,
daß wir es nicht verantworten könnten, jetzt noch weiteren Verzögerungen
irgendwie das Wort zu reden und darum bitten wir diejenigen, die es e r n s t
meinen mit der Beschaffung von Wohnraum, und auch diejenigen bitten wir,
dem Gesetze zuzustimmen, die mit uns Sorge haben um die Möglichkeit
der Beschäftigung u n s e r e r Bürger, die von der Arbeitslosigkeit, die sie
selbst nicht verschuldet haben, bedroht sind. - Wir bitten Sie deshalb d r i n gend, trotz der Einwendungen der CDU diesem Gesetz ihre Zustimmung
nicht zu v e r s a g e n .
(Beifall bei der

SPD.)
        
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