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Periodical volume Nr. 54, 29. Januar 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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E s heißt nämlich in dieser berühmten Verordnung vom 4. Oktober 1946,
worin der O b e r b ü r g e r m e i s t e r angewiesen wurde, eine Neuordnung der
Polizei durchzuführen:
Der Polizeipräsident wird die Befugnisse und Kontrolle über
die gesamte Tätigkeit der Polizei in Berlin übernehmen, deren
Dienstbereich und Pflichten unverändert bleiben, und für d e r e n
Tätigkeit er die Verantwortung t r ä g t .
Wir können es einem verantwortungsfreudigen, tatkräftigen Mann
nicht verdenken, wenn er sich darauf bezieht, daß ihm durch diese B e stimmung eine Sonderstellung innerhalb der städtischen Verwaltung zugewiesen sei, wie es, abgesehen von der Justiz, nirgendwo eine P a r a l l e le hat, daß, er also nicht mit einem x-beliebigen Abteilungsle iter einer
Magistratsabteilung verglichen werden könne. Das bitte ich zu b e r ü c k sichtigen, wenn Sie in der Z u s a m m e n a r b e i t zwischen dem O b e r b ü r g e r m e i s t e r bezw. dem stellv. O b e r b ü r g e r m e i s t e r und dem P o l i z e i p r ä s i denten oder überhaupt zwischen dem Magistrat und dem P o l i z e i p r ä s i denten nicht i m m e r eine k l a r e , deutliche Linie erkennen wollen. Hier
i s t in der Tat dem Polizeipräsidenten durch diese Bestimmung der Kommandantur eine Sonderverantwortung zugewiesen worden, über die man
sich nicht ohne w e i t e r e s hinwegsetzen darf.
Die Schwierigkeit wird aber dadurch v e r m e h r t , daß nun der ebenfalls von dem H e r r n Stadtv. Neumann zitierte A r t . 6 d i e s e r Verordnung
a u ß e r d e m noch - und das ist das allerunglücklichste, und ich muß ihn
deshalb noch einmal wörtlich anführen - sagt:
Die gesamte Tätigkeit der Polizei der Stadt Berlin ist weiterhin
dem Komitee für öffentliche Sicherheit bei der Alliierten Kommandantur untergeordnet.
Insofern n i m m t die Polizei auch gegenüber der Kommandantur eine Sonderstellung ein, wie es ebenfalls keine andere Abteilung der städtischen
Verwaltung tut. Hier ist eben die sonst nur kontrollierende, aufsichtsführende Tätigkeit der alliierten Unterkomitees durch ein u n m i t t e l b a r e s
Eingriffs- und Anweisungsrecht e r s e t z t . Das ist der eigentliche Schwerpunkt der Klagen, die Sie, meine H e r r e n und die auch ich gegen den
jetzigen Zustand anzuführen haben.
Das Komitee für öffentliche Sicherheit macht von dem ihm hier
vorbehaltenen Recht einen außerordentlich weitgehenden Gebrauch. E s
fühlt sich als den eigentlichen Vorgesetzten der Polizeiverwaltung, es
hält den Polizeipräsidenten für verantwortlich sich gegenüber, und unt e r diesen Umständen kann es nicht ausbleiben, daß bei einer nicht ganz
deutlichen und einheitlichen Verantwortung der Polizeipräsident ein wenig
zwischen diesen beiden Vorgesetzten steht.
        
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