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Periodical volume Nr. 54, 29. Januar 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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finden können. Die Sozialistische E i n h e i t s p a r t e i ist der Auffassung,
daß d i e s e r Antrag die Zustimmung aller Fraktionen des Hauses finden wird. Auch wir haben bei j e d e r Gelegenheit, u. a. auch in u n s e r e m Verfassungsentwurf, der gleichen Meinung Ausdruck gegeben,
nämlich daß die Polizei in Berlin dem Magistrat u n t e r s t e l l t werden
soll. Dazu wäre nicht einmal eine Begründung zu dem Antrag notwendig gewesen. Wir waren schon vorher davon überzeugt, daß es
so ist. Kollege Neumann hat das hier noch dokumentarisch nachgewiesen. E r hat an Hand von Befehlen und Anordnungen des P o l i z e i präsidenten aus der e r s t e n Zeit nach dem Z u s a m m e n b r u c h im M a i /
Juni 1945 nachgewiesen, daß nach Ansicht der damaligen Besatzungsmacht - es war nur eine in Berlin - und des damaligen M a g i s t r a t s
die P o l i z e i der Stadtverwaltung u n t e r s t e h t . Leider änderte sich dann
die Situation in Berlin im August 1945. Berlin war nicht nur mehr
von einer Besatzungsmacht besetzt, sondern von vier, und wenn Sie,
Kollege Neumann, glauben, daß in der Folgezeit eine Änderung dies e s Zustandes der e r s t e n Zeit eingetreten ist, dann muß man sagen,
durch die vierfache Besatzung
(Stadtv. Neumann: Das glaube ich gar nicht!)
sind gewisse Rechte, die uns vorher zugestanden haben, wieder r ü c k gängig gemacht oder eingeschränkt worden.
(Zuruf von der SPD: Das trifft nicht zu, die Befehle
sind sehr k l a r ! )
Wir sind der Auffassung, daß die P o l i z e i dem B e r l i n e r Magistrat unt e r s t e h t . Wir sind auch der Auffassung, daß die Vorläufige Verfassung
in Verbindung mit dem Artikel 36 und in Verbindung mit dem Befehl
vom 28. F e b r u a r 1947 ganz eindeutig dasselbe besagt. Darüber gibt es
überhaupt keinen Streit. E s ist de iure so, leider nicht de facto. Tatsachen beweisen e s . Soviel dazu.
Kollege Neumann sagte nun aber, es wäre doch schlimm, daß
der H e r r Polizeipräsident t r o t z des ausgesprochenen Mißtrauens der
Stadtverordnetenversammlung noch auf seinem P o s t e n w ä r e . Nun,
Kollege Neumann, hier i r r e n Sie aber. Nach der Verfassung, nach der
Ordnung der Dinge, kann ein leitender Angestellter der Stadtverwaltung
nicht durch einen Mißtrauensantrag abgesetzt werden. Das ist Angelegenheit des M a g i s t r a t s , der leitende Angestellte einsetzt, entläßt, v e r s e t z t .
Ich darf vielleicht darauf hinweisen, daß in der gestrigen Sitzung des
M a g i s t r a t s diese F r a g e eine Rolle gespielt hat, und wenn meine Informationen stimmen, so ist der Magistrat bei der Ziehung der Schlußfolgerungen aus der Arbeit der eingesetzten Untersuchungskommission, die in
m e h r e r e n Sitzungen und unter Einvernahme der wichtigsten Zeugen die
Dinge untersucht hat, zu der Auffassung gekommen, daß kein Anlaß zu
        
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