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Periodical volume Nr. 90, 26. November 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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H e r r Wildangel hat in seiner Haltung gegenüber dem Stadtparlament
Sabotage an der Durchführung des Schulgesetzes geübt, und ich darf Sie
bitten - und das wird vielleicht H e r r n Kollegen Landsberg e t w a s friedlicher s t i m m e n -, sich vielleicht doch einmal zu überlegen, ob wir nicht hier
eine andere Linie beziehen müssen. E s handelt sich hier darum, zu e r k e n nen, in welche» gesamtpolitischen Zusammenhang diese Aktionen des H e r r n
Wildangel einzuordnen sind. Und da darf ich Sie auf folgendes verweisen.
Der Magistrat und auch wohl viele Mitglieder d i e s e s Hauses haben offenbar
einem Vorgang keine Aufmerksamkeit geschenkt, der sich in der G e s a m t konferenz der Schulräte abgespielt hat, nämlich der E r k l ä r u n g des höchsten
Erziehungsoffiziers der sowjetischen Besatzungsmacht, des H e r r n O b e r s t leutnant Sudakow. H e r r Oberstleutnant Sudakow hat vor der Gesamtkonferenz der Schulräte a m 4. 11.48 eine E r k l ä r u n g abgegeben, und seit dieser
Zeit hat H e r r Wildangel aus sehr begreiflichen Gründen sich b e s o n d e r s a l s
Aktivist betätigt, was im einzelnen nachzuweisen ist.
Gestatten Sie m i r , daß ich auf diese E r k l ä r u n g hinweise, weil sie
auch g e s t e r n in der Gesamtkonferenz der Schulräte Berlins eine große Rolle gespielt hat. Ich will hier nicht die ganze E r k l ä r u n g v e r l e s e n , aber ich
möchte doch i m m e r h i n die starken Angriffe wiedergeben, die dort gegen den
Magistrat ohne Widerspruch von Seiten des L e i t e r s der Konferenz, H e r r n
Wildangel, geäußert worden sind. Und dann frage ich Sie, H e r r Landsberg,
. ob das in irgendeiner F o r m nicht doch politische Bedeutung haben sollte,
wie manche Briefe, die an die Stadträte geschrieben werden. E s wird dort
dem Magistrat vorgeworfen, er sabotiere das Schulgesetz, und dann heißt
es:
Eine genaue Untersuchung hat die Hauptschuldigen an diesem Treiben
festgestellt. Der Magistrat hat in seiner Sitzung a m 15. 9. unter dem
Vorwande des Mangels an Mitteln die Erweiterung der Berufsschulbildung, die Lernmittelfreiheit und die Gehaltserhöhung der L e h r e r
abgelehnt. Das ist unbegründet. Derselbe Magistrat stellt Mittel b e r e i t zur Unterstützung zahlreicher Horden der S t u m m - P o l i z e i und
a n d e r e r Banden, zur Bezahlung der Luftbrücke und zum Bau neuer
Flugplätze.
Dann werden besondere Angriffe gegen H e r r n Stadtrat May erhoben, indem man ihm vorwirft:
Seine Schulpolitik wird ihm von der SPD vorgeschrieben. Die SPD,
die das Schulgesetz unter dem Druck der Öffentlichkeit angenommen
hat, wird unter dem Druck der k a i s e r l i c h e n CDU zum V e r r ä t e r a n '
der Schulreform. Die Leitung der SPD betrügt also wieder einmal •
i h r e eigenen Wähler und die Kinder der A r b e i t e r . Das Schulgesetz
wird dunklen politischen Kombinationen zum Opfer gebracht.
Dann heißt es w e i t e r :
Der Magistrat hätte das alles nicht gewagt, wenn er nicht die U n t e r stützung der A m e r i k a n e r und Engländer gefunden hätte.
        
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