Path:
Periodical volume Nr. 90, 26. November 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

38

90

H e r r Wildangel hat darüber hinaus in einer für uns unbegreiflichen
Weise befohlen oder angeordnet, daß auch seihe nachgeordneten M i t a r b e i t e r u n s e r e r Aufforderung nicht Folge leisten. Damit wird die Aufstellung
eines Notetats unmöglich. Wir haben a l s Stadtverordnete auf diese H e r a u s forderung hin aber auch aus dem Bestreben, die Stadtverwaltung Berlins
mit allen Mitteln aufrechtzuerhalten, eine Konsequenz zu ziehen: wer
wissentlich die Arbeit der Stadtverwaltung Berlins und die Arbeit des Stadtp a r l a m e n t s stillegt, gehört nicht in eine verantwortliche Stellung i m Dienst
der Stadt. Wir fordern deshalb die sofortige Entlassung des H e r r n Wildangel, der bis jetzt noch Leiter des Hauptschulamtes ist. Wir bitten also
die anderen P a r t e i e n , diesen u n s e r e n Antrag zu unterstützen. Es geht hier
d a r u m , die Autorität des M a g i s t r a t s und die Einheit B e r l i n s mit allen Mitteln zu wahren.
-t
Stadtv.
L A N D S B E R G (CDU) : Meine Damen und H e r r e n ! Die
heutige Sitzung hat, wie der H e r r Stadtverordnetenvorsteher schon m i t t e i l te, ein b e s o n d e r e s Vorzeichen, indem sie alle möglichen Eigenarten aufweist. Zu diesen Eigenarten gehört es auch, daß offenkundig die F r a k t i o n
der SPD es für richtig hält, sehr wichtige Anträge plötzlich dem Hause zu
übergeben, ohne,c ., wie es sonst üblich ist, sie vorher dem Ä l t e s t e n r a t
oder zumindestens k u r z vor Beginn der Sitzung den anderen Fraktionen zu
u n t e r b r e i t e n . E s w ä r e sinnvoll gewesen, über eine solche Angelegenheit
vorher mit un's zu sprechen.
Ich glaube nicht, daß ich in den Verdacht kommen könnte, ein F r e u n d
des H e r r n Wildangel zu sein. Schon zu einer Zeit, als noch eine große Zahl
von SPD-Schulräten mit H e r r n Wildangel gemeinsame Sache gemacht haben,
habe ich gegen H e r r n Wildangel gestanden. Aber ich glaube, daß dieser Ant r a g , den hier die S P D - F r a k t i o n eingereicht hat, der P e r s o n des H e r r n
Wildangel und der Sache viel zu viel E h r e erweist. H e r r Wildangel ist einer
der 110 000 Angestellten der Stadt Berlin, und wir können doch nicht wegen
eines Angestellten, der sich gegen Maßnahmen des M a g i s t r a t s so verhält,
hier einen großen Antrag stellen. Ich habe auch das volle Zutrauen zu
dem Magistrat, daß er allein Manns genug ist, mit diesen Dingen fertig
zu werden. E s ist in der Vorletzten M a g i s t r a t s Sitzung b e r e i t s b e s c h l o s s e n
worden, daß der zuständige Stadtrat auf Anweisung des M a g i s t r a t s ein entsprechendes Verfahren gegen H e r r n Wildangel einleiten soll. Also die Sache läuft doch schon vollkommen in Ordnung, und ich habe auch gar keinen
Zweifel, daß d i e s e s Verfahren zu dem Effekt führen wird, der hier geford e r t wird.
Wir s t i m m e n selbstverständlich dem Antrag zu. Wir haben ja schon
zu viel f r ü h e r e r Zeit gesagt, daß H e r r Wildangel nicht der geeignete Mann
an d i e s e m P l a t z i s t . Aber ich glaube, es w ä r e auch möglich gewesen, ihn
von diesem P l a t z zu entfernen, ohne daß es hier eines besonderen A n t r a g s
bedurft hätte.
Stadtv. von W E D E L - P A R L O W (LDP) : Meine Damen und
H e r r e n ! Wir schließen uns grundsätzlich dem Antrag der SPD an, und
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.