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Periodical volume Nr. 90, 26. November 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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und i m m e r so, daß Einzelhändler und namentlich Lebensmitteleinzelhändler ihr A u s k o m m e n aus einer Ware finden, von ganz wenigen Branchen
abgesehen, die m e i s t e n s aber auch als Fabrikfilialen geführt werden. Im
allgemeinen pflegt der Einzelhandelskaufmann sein Sortiment zu mischen,
und wenn eine solche Sortimentsmischung nur so möglich ist, daß in allen
möglichen bewirtschafteten und freien Waren ein ganz ansehnliches S o r timent sfundament geschaffen wird und der Mann nun vielleicht durch tüchtige Leistung, gute Sach- und Marktkenntnis dazu kommt, daß er sich in
irgendwelchen bewirtschafteten Waren einen schmalen, aber sehr wichtigen Zuschuß verschafft, so würde ich ihn doch deswegen nicht von der B e lieferung mit der W a r e ausschließen, weil er damit in der Lage ist, sich
eine rentable Wirtschaft zu ermöglichen, sondern würde m i r ansehen, ob
er davon etwas v e r s t e h t und nach n o r m a l e n Grundsätzen handelt oder nicht.
Wenn nicht, dann mag man ihn ausschließen. Ich würde aber unter den heutigen völlig durcheinanderlaufenden W a r e n - und Einkaufsmärkten keine
Rechts Vermutung aufstellen, daß Geschäfte, die ein Mindestmaß, ein der
Behörde richtig scheinendes Mindestmaß von Waren einer Gattung v e r t r e i ben, deswegen von der Belieferung mit Waren dieser Gattung a u s g e s c h l o s sen werden sollen. Das, glaube ich, w ä r e eine höchst ungerechte und auch
für den V e r b r a u c h e r höchst nachteilige Lähmung kaufmännischer Selbsthilfe, kaufmännischer Anpassung an schwere Marktlagen durch S o r t i m e n t s bildung. Und diese F r a g e muß noch einmal, wie ich glaube, sorgfältig b e r a ten werden, ich empfehle a b e r nicht nur i m Ernährungspolitischen Ausschuß,
sondern in einer gemeinsamen Beratung mit dem Wirtschaftspolitischen,
denn es geht hier um ganz entscheidende betriebswirtschaftliche Grundfragen.
Stadtv. S W O L I N Z K Y (SPD) : Meine Damen und H e r r e n ! Ich
wundere mich sehr, wie schnell die F r a u Stadtverordnete Melle das P r i n zip der Leistung im Wettbewerb aufgegeben hat. Ich bin der Meinung, daß
wir uns allmählich d a r a n gewöhnen m ü s s e n , in dem Erfolg eines Unternehmens auch die Leistung des U n t e r n e h m e r s zu sehen. Wenn also ein U n t e r nehmen so kleine U m s ä t z e von bewirtschafteten Artikeln hat, muß die Stadt
als die augenblicklich noch diese A r t i k e l lenkende - wir nehmen ja an, daß
die Zwangswirtschaft allmählich durch F o r m e n der Selbstverwaltung abgelöst werden kann; wir sind ja dabei, diese Dinge v o r z u b e r e i t e n -, solange
sie jemanden beauftragt, die von ihr bewirtschafteten Waren feilzubieten,
das Recht haben,zu entscheiden, ob die Leistungen dieses Unternehmens
eine pflegliche Behandlung sowohl der Ware wie der Kundschaft gewährleisten. Tüchtige Menschen, die sich um i h r e Kundschaft bemühen, haben in
der Regel nicht solche Sorgen in bezug auf die Umsatzziffern wie die Unternehmungen, auf die man hier abzielt. Deshalb sind wir der Meinung,
es muß der Stadt vorbehalten sein, die von ihr Beauftragten auszuwählen.
Wir wehren uns dagegen, daß man diese Geschäfte ohne w e i t e r e s schließt,
aber die Verteilung von bewirtschafteten Waren muß nach Gründen der
Zweckmäßigkeit und im I n t e r e s s e der Bevölkerung, der Konsumenten g e schehen.
        
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