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Periodical volume Nr. 90, 26. November 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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gerade ä l t e r e und kleine Geschäfte i h r e Pforten schließen m ü s s e n , und d e r a r t i g e Möglichkeiten dürfen bei der gegenwärtigen schwierigen W i r t s c h a f t s lage in Berlin nicht durch eine solche Verordnung noch gefördert werden.
Wir unterstützen jede strenge und feste Handhabung in der Ausgabe von b e wirtschafteten Lebensmitteln genau so wie die Bestrafung von S c h w a r z händlern. Diese Verordnung aber trifft in a l l e r e r s t e r Linie die kleinen
Gewerbetreibenden, die sich schwerlich dagegen schützen können. Aus all
diesen Gründen kann die Fraktion der L i b e r a l - D e m o k r a t i s c h e n P a r t e i d i e ser Verordnung i h r e Zustimmung nicht geben.
Stadtv. L A N D S B E R G (CDU) : Die CDU hält diese Bedenken,
die hier geäußert wurden, für außerordentlich beachtlich und empfiehlt d e s halb die Rückverweisung der Vorlage an den Ausschußc
Stadtrat F Ü L L S A C K : Meine Damen und H e r r e n ! Diese Vorlage ist eine Notwendigkeit geworden, und ich kann mich eigentlich auf die
Ausführungen der Stadtverordneten F r a u Melle zurückziehen. E s ist doch
in einer Notzeit, in der wir uns befinden, erforderlich, alles zu tun, u m
das wenige so zu lenken und zu planen und so vorteilhaft abzugeben und
zum V e r b r a u c h e r zu bringen, wie es nur möglich ist. Einer solchen Überlegung entspricht auch das Kontrollratsgesetz Nr. 50. Wenn nun F r a u Stadtv e r o r d n e t e Melle sagt, es gehe nicht an, daß man ein Geschäft - und wir
haben solche in Berlin i m Augenblick - , das nur zwei oder d r e i Liter Vollmilch u m s e t z t , schließt, dann m ü s s e n wir uns überlegen, ob wir bei der
Auswahl und Belieferung von Geschäften für bewirtschaftete Lebensmittel
die Sorgfalt haben walten l a s s e n , die das K o n t r o l l r a t s g e s e t z Nr. 50 uns aufe r l e g t . Das ist ein alter Rechtsgrundsatz geworden, und daher m ü s s e n wir
die Möglichkeit haben, neben den Geschäften, die wir aus V e r s c h u l d e n s g r ü n den schließen müssen, auch bei den Geschäften einzugreifen, die keine E x i stenzgrundlage haben, und frei werden von der Rechtsprechung des V e r w a l tungsgerichts, die sich auf diese Dinge bezieht.
Allerdings ist es nun so, daß durchaus Rechtsgrundlagen eingebaut
sind. J e d e r , der von dieser Verordnung betroffen wifd-, hat die Möglichkeit
des Einspruchs oder der Beschwerde und außerdem noch des Rechtsmittefzuges zum Verwaltungsgericht. E s i s t also die Rechtsgarantie durchaus g e geben. E s wird auch kein Mensch in der Verwaltung der Meinung sein, daß
wir dem Gewerbe irgendwie etwas antun wollen. Wir können auch das G e schäft gar nicht schließen. Das wollen wir auch nicht. Wenn das Geschäftvon sich aus mit freien Waren den Betrieb weiter aufrecht erhalten kann,
ist es durchaus in Ordnung, denn eine Geschäfts Schließung durch uns kann
nie erfolgen. E s muß aber für uns eine Möglichkeit bestehen, wenn die V e r teilung i m Geschäft d e r a r t i g e Mindergewichte aufweist, daß eine E x i s t e n z grundlage nicht gegeben ist, daß wir auf dem Gebiete des Handels auch
Ordnung schaffen können.
Stadtv. Dr. T I B U R T I U S (CDU) : Diesen Standpunkt muß ich
doch mit schuldigem Respekt etwas inkonsequent finden. E s ist doch nun
        
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