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Periodical volume Nr. 90, 26. November 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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freundliche Begrüßung, die ich soeben erfahren habe, zu danken, sondern
Ihnen allen gleichzeitig zu danken für die große und schwere Arbeit, die
Sie alle in den letzten d r e i Monaten, seitdem ich B e r l i n fernbleiben mußte,
geleistet haben. Dieser Dank gilt ganz b e s o n d e r s meinen Kollegen vom Mag i s t r a t , und er gilt in a l l e r e r s t e r Linie meinem V e r t r e t e r , H e r r n B ü r g e r m e i s t e r Dr. F r i e d e n s b u r g , der in kollegialster Weise von dem Augenblick an, wo ich ausscheiden mußte, die Geschäfte des M a g i s t r a t s geführt
hat.
In diesen d r e i Monaten, in denen Sie hier Schwerstes durchgemacht
haben, sind meine Gedanken und Sorgen ständig in Berlin gewesen. Aber
zu m e i n e m großen Bedauern konnte ich Ihnen nicht hilfreich zur Seite stehen.
So dankbar ich deshalb auch m e i n e r norddeutschen Heimat und dem Westen
Deutschlands bin, daß sie alles daran gesetzt haben, um mich wieder der
Genesung entgegenzuführen, so dankbar bin ich dem Schicksal, das es m i r
vergönnt hat, gerade in diesen Tagen nach B e r l i n zurückzukehren, um mit
Ihnen z u s a m m e n die letzten Tage vor der Wahl des 5. D e z e m b e r s und den
letzten Monat dieses J a h r e s und überhaupt die Monate dieses Winters durchzustehen.
Ich weiß, daß in diesen Tagen eine Flut von Kritik über uns h e r e i n bricht. Kritik ist gut, wenn sie aufbauend und sachlich ist. Wogegen ich
mich a b e r w e h r e und Sie sich wahrscheinlich alle wehren, das ist, wenn
diese Kritik mit den Mitteln p e r s ö n l i c h e r Verunglimpfung und Unwahrheit
geübt wird. Wenn z. B. g e s t e r n das "Neue Deutschland" e r k l ä r t , ich hätte
in Bonn weitgehende Verhandlungen mit der CDU geführt und wäre seit m e i nen Besprechungen mit hochgestellten a m e r i k a n i s c h e n K r e i s e n im Westen
eine V e r t r a u e n s m ä n n i n e r s t e r Ordnung geworden und als solche zurückgeholt worden, so beneide ich den V e r f a s s e r d i e s e r Ausführungen um seine
lebhafte P h a n t a s i e , oder eigentlich beneide ich ihn nicht darum. Ich möchte
a b e r der B e r l i n e r Bevölkerung gegenüber doch ganz offen e r k l ä r e n , daß
ich weder in Bonn gewesen bin, noch daß ich Verhandlungen mit der CDU
gepflogen habe oder gar mit hochgestellten a m e r i k a n i s c h e n K r e i s e n im
Westen. Ich habe es für meine Pflicht gehalten, abgesehen davon, daß ich
infolge m e i n e s physischen Zustandes gar nicht a n d e r s hätte handeln können, mich in diesen drei Monaten von a l l e m fernzuhalten, einmal, um so
schnell wie möglich wieder gesund zu werden und für Berlin wieder a r beitsfähig zu werden, und zum zweiten, um den H e r r e n , die hier in B e r l i n
meine Aufgäbe mit übernommen hatten, k e i n e r l e i Schwierigkeiten zu m a chen. Nun aber freue ich mich, meine Amtsgeschäfte wieder übernehmen
zu können, wenn es auch auf ärztlichen Rat und i m Hinblick auf meine noch
etwas geschwächte Gesundheit zunächst in e r s t e r Linie von m e i n e r Wohnung
aus geschehen wird.
Gestatten Sie m i r a b e r a m heutigen Tage, wo ja g e w i s s e r m a s s e n
die Stadtverordnetenversammlung, wie wir soeben gehört haben, ein J u b i läum feiert, auch noch ein p a a r Worte über die Arbeit der letzten zwei
        
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