Path:
Periodical volume Nr. 89, 18. November 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

89

.

• •'•
«
• •

1

25

Die tiefbedauerliche zunehmende Desorganisation dfe'r Magistratsverwaltung rührt lediglich davon her, daß der demokratischen Selbstverwaltung von Berlin im sowjetischen Sektor nicht
die Möglichkeit gegeben wird, ihre Arbeit frei und selbständig
nach den eigenen Verfassungsbestimmungen, Gesetzen und GeSchäftsordnungen zu führen. Wenn als Auswirkung der vom
Herrn Sowjetischen Militärkommandanten in immer neuer Folge vorgenommenen Eingriffe tatsächlich eine Aufspaltung derBerliner Verwaltung und damit eine regelrechte Zerstörung der
geordneten Verwaltung von Groß-Berlin droht, so muß die Verantwortung für diese Entwicklung, die auch die Not der ohnedies
genügend bedrängten Berliner Bevölkerung weiter steigern wird,
nicht den städtischen Körperschaften oder einzelnen Mitgliedern
unter ihnen, sondern derjenigen Besatzungsmacht zugeschrieben
v werden, die- diese Anordnungen getroffen hat.
""'''"

' '

(Sehr gut!)

Nach alledem geht es selbstverständlich für den Magistrat nicht
an, die Herren Schlicke und Dusiska als auch nur vorläufige Leiter der betreffenden Magistratsabteilungen anzuerkennen, und ich
sehe keine Möglichkeit, die Befehle 115 und 118 auszuführen. *Da
wir nach unserem Diensteid der Verfassung verpflichtet sind, bleiben für den Magistrat die Herren Stadträte Reuter und Klingelhöfer
die verantwortlichen Leiter ihrer Abteilungen.
'•
(Beifall.)
Meine Damen und Herren! Ich habe dem vorläufig nur wenig hinzuzufügen. Wie diese Entwicklung weitergeht, ist für uns schwer vorauszusagen. Man
kann ja wohl als Ziel der von der sowjetischen Besatzungsmacht vorgenommenen Politik vermuten, daß sie zu einer vollständigen Abspaltung des Ostsektors
von der allgemeinen Verwaltung von Berlin führen wird. Aber, meine Damen und
Herren, ich kann Ihnen, namentlich was meine eigene Person betrifft, .nichts anderes sagen, als daß ich alles tun werde, um die Durchführung einer solchen
Politik so schwer als nur möglich zu machen.
(Beifall bei der CDU.)
Selbst wenn man das Endergebnis als unabwendbar voraussehen sollte, so hat
meiner Ansicht nach der Magistrat die Pflicht, alles zu tun, um ein solches
Endergebnis nicht Zustandekommen zu lassen und jedenfalls die volle Verantwortung dafür der anderen Seite zu überlassen.
(Beifall.)
Wir sind also nicht einfach in der Lage,J meine Damen und Herren, die zwei
großen Aufgaben der Stadtverwaltung miteinander zu vereinigen. Wir müssen
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.