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Periodical volume Nr. 54, 29. Januar 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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vorläufigen Index vor, daß mindestens ein A r z t auf 1 500 Einwohner
kommt.
Wir möchten nun die Ärzte zum freiwilligen B e z i r k s w e c h s e l
aufrufen. Das heißt: aus den westlichen Bezirken müßten einige Ä r z t e
in die östlichen Bezirke ziehen. Wir haben in u n s e r e m Vorschlag
auch gewisse Vergünstigen dafür vorgesehen. F a l l s allerdings die
Zahl der Ä r z t e , die freiwillig umziehen, nicht ganz ausreichen sollte, müßte man sich doch überlegen, wie man den Kranken in den ö s t lichen Bezirken weiterhelfen kann. Unsere Vorlage soll lediglich eine
Anregung für den Magistrat bedeuten, ein genaues Gesetz über die
gleichmäßige Verteilung der Ä r z t e in Berlin auszuarbeiten.
Stadtv. F r a u G R A F (CDU): Meine Damen und H e r r e n ! Die SED
möchte die gleichmäßige Verteilung der Ärzte über alle vier Sektoren
B e r l i n s dadurch e r r e i c h e n , daß sie die frei praktizierenden Ä r z t e
zwangsläufig von einem Sektor in den anderen verlegen will. Die einzelnen Wohnungsämter der unterbesetzten Bezirke sollen dabei die Auflage
erhalten, für diese zwangsläufig v e r s e t z t e n Ärzte Wohnungen b e r e i t z u stellen. Ich möchte zu d i e s e m Vorschlag zunächst sagen, daß wir grundsätzlich gegen eine zwangsläufige Versetzung von Ärzten sind. F ü r uns
gehört das Recht des B ü r g e r s , sich seinen Wohnsitz selbst auswählen und
b e s t i m m e n zu können, zu den Grundsätzen, gegen die wir n i e m a l s s t i m men werden.
Davon abgesehen scheinen m i r aber bei d i e s e m Antrag die w i r k l i chen Verhältnisse übersehen zu sein. Die Situation ist doch nicht so, daß
die Ä r z t e aus den westlichen Sektoren und selbst aus den Zonen nicht
nach Berlin oder nicht in die unterbesetzten Gebiete kommen möchten.
F r a u Dr. Wittbrodt sprach vorhin davon, daß die Anzahl der Ä r z t e sich
nach der sozialen Struktur des B e z i r k s richtet. So ist es nicht, sondern
die Dinge liegen einfach so, daß keine Wohnungen vorhanden sind. Ich
kann Ihnen sagen, daß wir im Bezirk Treptow, der auch zu den u n t e r b e setzten Bezirken gehört, viele Bewerbungen von Ärzten aus den w e s t l i chen Sektoren und auch aus den westlichen Zonen bekommen, die wir
aber gar nicht hereinnehmen können, weil sie keine Wohnungen haben.
Wir nehmen laufend welche auf, aber wir können sie nicht so aufnehmen,
wie wir sie bekommen könnten. Wir können sie auch aus andern Gründen
nicht aufnehmen. Sie wissen, daß ein großer Teil u n s e r e r Ärzteschaft
politisch belastet ist, und bisher ist es durchaus nicht i m m e r möglich gewesen, auch einen fachlich tüchtigen Bewerber in unseren r u s s i s c h e n Sektor einzuschleusen. Auch da gibt es Schwierigkeiten, so daß es mit einem
Gesetz, wie Sie es machen wollen, das den Wohnungsämtern eine Auflage
geben w ü r d e , d u r c h a u s nicht geschafft werden kann; denn die Wohnungen
sind einfach nicht da. E s wurde m i r von einer Seite gesagt - ich weiß nicht
m e h r , wer es war -, wir brauchen 50 Ä r z t e , und 40 haben sich auch ge-
        
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