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Periodical volume Nr. 54, 29. Januar 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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F e r n e r wird, wie schon meine H e r r e n V o r r e d n e r ausgeführt haben,
den Ausführungsbestimmungen ein großer Wert b e i g e m e s s e n . Auch h i e r m i t können wir uns in keiner Weise einverstanden e r k l ä r e n . Wir sind
im Gegenteil der Meinung, daß gerade die örtliche Abgrenzung und vor
a l l e m die F r a g e , wer Verwaltungsrichter sein kann, sowie ein Reihe
w e i t e r e r F r a g e n unbedingt in dem Gesetz und in der Verordnung selbst
zu r e g e l n sind, daß sie nicht e r s t Ausführungsbestimmungen ü b e r l a s sen bleiben können.
In m a t e r i e l l e r Beziehung sagt das Gesetz in § 3:'rDie Zuständigkeit
der Verwaltungsgerichte ergibt sich aus den Gesetzen. " E s heißt dann
weiter: n Gesetz im Sinne dieser Vorschrift ist auch eine Verordnung
G r o ß - B e r l i n s " . Der letzte Satz ist m. E. eine Selbstverständlichkeit; er
kann wegbleiben. Genau so sind die B e s t i m m e n in § 3 Abs. 2 völlige
Selbstverständlichkeiten. Über diese Dinge ist schon eingehend im V e r fassungsausschuß diskutiert und meines Wissens volle Einstimmigkeit
zwischen den einzelnen Fraktionen erzielt worden. E s ist s e l b s t v e r s t ä n d lich, daß Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung und der B e z i r k s v e r o r d n e t e n v e r s a m m l u n g nicht der Entscheidung der Verwaltungsgerichte
unterliegen. Wir haben diese F r a g e in einem besonderen Artikel der V e r fassung zu r e g e l n v e r s u c h t und haben den Verwaltungsbehörden nur die
Möglichkeit gegeben, das ordnungsmäßige Zustandekommen der Gesetze
nachzuprüfen. Das gleiche gilt für Angelegenheiten des inneren Dienstb e t r i e b e s . Auch sie sind ganz selbstverständlich der Entscheidung der
Verwaltungsgerichte entzogen. Wenn es in C heißt, daß Verfügungen, die
nach freiem E r m e s s e n zu treffen sind, nur bei Mißbrauch der E r m e s s e n s freiheit einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts unterliegen können,
so sind auch das alte Praktiken, die für jeden selbstverständlich sind.
Wenn man aber eine d e r a r t i g e Bestimmung in das Gesetz hineinnimmt,
muß man auch etwas darüber sagen, daß das Verwaltungsgericht dann zu
entscheiden hat, wenn Überschreitungen der E r m e s s e n s f r e i h e i t vorliegen.
Punkt D könnte eventuell gegen die verfassungsrechtliche Bestimmung v e r stoßen, daß alle Menschen, wie es in einem Entwurf heißt, alle Bürger, wie
es in einem anderen Entwurf heißt, alle Männer und F r a u e n , wie es in dem
Dutwurf der sozialdemokratischen F r a k t i o n heißt, vor dem Gesetz gle'ich
sind.
Der Satz: "Ihre Zuständigkeit ergibt sich aus den Gesetzen 1 ' läßt nicht
m i t a l l e r Deutlichkeit erkennen, ob der Gesetzgeber hier das Enumerationsprinzip anwenden will oder den Gedanken der Generalklausel v e r t r i t t . Ich
möchte aber annehmen - ich habe das auch durch Rückfrage festgestellt -,
daß d i e s e r Gesetzentwurf tatsächlich von der Anwendung des E n u m e r a t i o n s prinzips ausgeht. Die sozialdemokratischen F r a k t i o n v e r t r i t t grundsätzlich
den Standpunkt, daß in allen VerwaltungsStreitsachen der Grundsatz der Gen e r a l k l a u s e l gelten sollte. Dies ist auch bisher bei den Bezirksverwaltungen,
        
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