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Periodical volume Nr. 87, 25. Oktober 1948, Außerordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Sozialistischen Einheitspartei angehörenden M a g i s t r a t s m i t g l i e . der, daß sie jede Mitwirkung an einer Politik ablehnen, die die
Selbstverwaltung von deutscher Seite h e r noch m e h r einengt oder
praktisch sogar aufhebt. Nach wie vor fühlen sich die S E D - V e r t r e t e r im Magistrat nicht einseitig und ausschließlich den B e satzungsbehörden, sondern in e r s t e r Linie der Stadtverordnetenv e r s a m m l u n g verantwortlich und sind j e d e r z e i t b e r e i t , getreu
i h r e s in die Hand des Stadtverordnetenvorstehers geleisteten
Eides von ihr Anweisungen entgegenzunehmen und sie auszuführ e n , wie dieses den gegebenen'Möglichkeiten entspricht. Wann
und wo i m m e r es gilt, sich dafür einzusetzen, den Spielraum
und die Grundlagen u n s e r e r Selbstverwaltung und u n s e r e s d e m o k r a t i s c h e n Lebens zu erweitern, werden die SED-Mitglieder
des Berliner Magistrats stets zur Stelle sein. In dieser B e z i e hung werden sie sich von niemand übertreffen l a s s e n .
Das i s t die Erklärung der SED-Mitglieder des M a g i s t r a t s . Wir haben
ja in den letzten Wochen und Monaten erleben können, was sie darunter v e r stehen, daß sie sich bei der Schaffung von Grundlagen der Selbstverwaltung
und u n s e r e s demokratischen Lebens von niemand übertreffen l a s s e n ! D a r a n
wurde ich e r i n n e r t , als ich diesen Brief w e i t e r l a s , als man die D e m o k r a t i sierung des politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens in der ganzen Stadt verkündete, und als ich sah, daß der B e r l i n e r Magistrat und die
Stadtverordnetenversammlung sich in ein Werkzeug der b r i t i s c h - a m e r i k a n i schen Behörden verwandelt haben sollen. Bei uns in den westlichen B e z i r ken m ü s s e n die elementaren demokratischen F r e i h e i t e n wieder h e r g e s t e l l t
werden, wenn Wahlen vorgenommen werden sollen.
Meine Damen und H e r r e n , ich habe hier auch den " V o r w ä r t s " , den
ich vorhin schon zitierte, und darin l e s e ich, daß in einer Großkundgebung
der SED, die in den gestrigen Vormittagsstunden stattfand, Hermann Mat e r n e r k l ä r t e , die SED könne Kommunalwahlen e r s t dann zustimmen, wenn
in Berlin wieder normale Verhältnisse h e r r s c h e n ; solange die V e r s a m m l u n g s freiheit nicht in allen Sektoren gewährleistet sei und die demokratischen O r ganisationen nicht uneingeschränkt arbeiten könnten, könne seine P a r t e i der
Durchführung von Wahlen nicht zustimmen; der Berliner Magistrat wünsche
im Dezember Wahlen nur deshalb durchzuführen, um die Aufmerksamkeit
von seinem vollendeten Bankrott abzulenken. Das ist ja fast dasselbe wie
d a s , was H e r r Generalmajor Kotikow hier in seinem Brief sagt.
Ich habe eben wörtlich den " V o r w ä r t s " zitiert, möchte allerdings jetzt
hinzufügen, daß i m e r s t e n Satz noch die Bemerkung enthalten i s t , daß die
Großkundgebung i m französischen Sektor stattfand. Ich frage: wo ist es den
andern d r e i P a r t e i e n heute im Ostsektor möglich, freie Veranstaltungen
durchzuführen?
(Sehr wahr! bei der SPD.)
        
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