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Periodical volume Nr. 87, 25. Oktober 1948, Außerordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Grund falscher Berichte, das Urteil zustandegekommen w ä r e , man hätte
feststellen m ü s s e n , daß Mattick keiner der Redner an diesem Tage war.
Darum möchte ich sagen, man sollte sich friedlich einigen, in eine Korrektur' einzutreten.
Wenn von den P r i n z i p i e n des P o t s d a m e r Abkommens die Rede ist,
so würden wir es begrüßen, wenn dieses P o t s d a m e r Abkommen in s e i n e r
Gänze für die deutsche Bevölkerung in Anwendung käme. Dann hätten wir
uns nämlich heute vormittag im Hauptausschuß, wo wir die sozialen F r a gen Berlins und die Möglichkeiten, dem Elend und der Not zu steuern, b e sprochen haben, nicht solche Sorgen zu machen gehabt. Wir w ä r e n gern b e r e i t , morgen jedem zu danken, wenn man uns sagen würde: das P o t s d a m e r
Abkommen wird durchgeführt; Deutschland ist, wie wir es durch V e r t r a g
festgelegt und u n t e r s c h r i e b e n haben, ein einheitliches Wirtschaftsgebiet,
und Berlin ist nicht mehr ein zu Unrecht b e l a g e r t e s Kommunalwesen, das
nicht durch die Kriegsmaßnahme der Aushungerung der Zivilbevölkerung
auf die Knie gezwungen werden kann, mitten in Europa. Wir würden uns
freuen, wenn ein Teil dieses P o t s d a m e r Abkommens schon in den nächsten
Tagen Wirklichkeit werden sollte.
Ich sagte schon, das Gerichtsurteil scheint m i r einer Nachprüfung
bedürftig. Noch mehr scheint m i r der Nachprüfung bedürftig zu sein, welchen Anlaß zur Verfolgung der Beschuldigten, wenn wir sie so nennen wollen, und welche Möglichkeiten der H e r r Stadtverordnetenvorsteher hätten
Straf maßnahmen gegen die Beschuldigten zu ergreifen. Ich glaube, er kam
in Verlegenheit.
,
Was läßt uns das erkennen? - Daß man an manchen Stellen doch weder
das richtige Verständnis für die Verhältnisse um uns her noch den Respekt
vor Gesetz und Verfassung hat. Man hat dem Berliner Volke eine Verfassung
gegeben und hat sie selbst unterzeichnet. Diese selbstgeschaffene, gewährte
Verfassung sollte auch für die Verfassungsmächte sakrosankt sein. Und
wenn man zu Straf maßnahmen und zu anderen Maßnahmen gegenüber der
Verwaltung greift, dann sollte man sich doch mindestens der Mühe u n t e r ziehen, in dem besetzten Volke und in der besetzten Stadt nicht eine Kolonie
ohne Willensbildung und ohne k r i t i s c h e s U r t e i l zu sehen. Wenn man sich
mit uns auf dem Boden des Rechtes auseinandersetzen will, dann wird man
bei uns stet* ein bescheidenes Verstehen, auch sogar ein Sichunterwerfen
finden. Wir m ü s s e n und dürfen aber verlangen, daß man auch bei diesen
Maßnahmen als o b e r s t e s P r i n z i p das Recht der Berliner Bevölkerung, das
Recht des Besiegten, gelten läßt.
(Lebhafter Beifall bei der SPD.)
Vorsteher-Stellv. Dr.
v e r o r d n e t e r Landsberg.

S C H R E I B E R : Das Wort hat H e r r Stadt-

Stadtv. L A N D S B E R G (CDU) : Meine Damen und H e r r e n ! Wenn
man zu dem Inhalt des Briefes des H e r r n Generalmajors Kotikow vom
        
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