Path:
Periodical volume Nr. 85, 8. Oktober 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

85

15

Recht herleitet, von einer absichtlichen Anrichtung eines j u r i s t i s c h e n
W i r r w a r r s zu sprechen.
(Lebhafte Zustimmung bei der CDU. )
Dazu sind Verfassungsfragen viel zu e r n s t . Meine P a r t e i steht jedenfalls auf dem Standpunkt, daß jede demokratische P a r t e i die Verpflichtung
hat, die Verfassung auf das minutiöseste zu wahren.
(Sehr richtig! bei der CDU.)
Ich glaube, daß darüber im Hause eine Meinungsverschiedenheit gar nicht
bestehen kann. E s wäre ein außerordentlich bedenkliches Abgleiten aus
den selbstverständlichen Regeln der Demokratie, wenn wir Verfassungsfragen leicht nehmen wollten. "Wenn wir uns erlaubt haben, die anderen
P a r t e i e n auf gewisse Bedenken aufmerksam zu machen, so m ü s s e n wir es
zurückweisen, daß man uns irgendwie einen politischen Vorwurf macht.
Deswegen muß ich auch mit einigen Bemerkungen auf Ausführungen
zu sprechen kommen, die sich in der heutigen Nummer des " T a g e s s p i e g e l s "
• zu dieser F r a g e befinden. E s ist außerordentlich bedauerlich, wenn eine
Zeitung wie der "TagesSpiegel" in dieser unrichtigen und oberflächlichen
F o r m zu politischen P r o b l e m e n Stellung nimmt. In den Ausführungen des
H e r r n Reger findet sich in einer Polemik gegen meinen Parteifreund Dr.
F r i e d e n s b u r g , der augenblicklich als a m t i e r e n d e r O b e r b ü r g e r m e i s t e r die
Geschäfte führt, folgendes:
Am 28. Juli faßte der Berliner Magistrat den Beschluß, daß die
Abteilung für Arbeit die von der UGO abgeschlossenen T a r i f v e r t r ä g e anzuerkennen habe. Der Leiter dieser Abteilung Stadtrat
Schmidt hat diesen Beschluß nicht ausgeführt. Viele Wochen v e r gingen, in denen der jetzt a l s O b e r b ü r g e r m e i s t e r a m t i e r e n d e B ü r g e r m e i s t e r Dr. Friedensburg, d e s s e n Aufgabe es gewesen w ä r e , dem
Magistratsbeschluß Geltung zu verschaffen, sich selbst darüber
nicht schlüssig werden konnte oder wollte.
Die nächsten Worte heißen dann:
Am 11. August nahm der Magistrat sich vor, den Stadtverordneten
über Schmidts Widersetzlichkeit Bericht zu erstatten.
Ich v e r s t e h e nicht, wie H e r r Reger behaupten kann, daß der s t e l l v e r t r e t e n d e O b e r b ü r g e r m e i s t e r Dr. F r i e d e n s b u r g viele Wochen lang sich
Zeit gelassen hätte; denn auch H e r r Reger kann sich wie jeder andere
Mensch ausrechnen, daß zwischen dem 28. Juli und dem 11. August nur
ein Zwischenraum von 14 Tagen liegt. Schließlich muß der Magistrat,
wenn er jemand einen Befehl erteilt, auch abwarten, ob dieser Auftrag
ausgeführt wird oder nicht.
Nun ist aber H e r r n Reger noch folgendes P e c h unterlaufen. Der
Magistrat hat sich a m 18. August an die Stadtverordnetenversammlung
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.