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Periodical volume Nr. 82, 8. September 1948, Außerordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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w ä r e n diese Leute spielend in der Lage gewesen, die Ordnung vor dem Eingang aufrechtzuerhalten.
Nachdem dies geschehen w a r , habe ich zugestanden: das Scherengitter kann aufbleiben. Den einzigen Wunsch, den die Polizei des Ostsekt o r s überhaupt gestellt hatte für die Durchführung der ganzen Maßnahmen,
diesen Wunsch habe ich erfüllt; nicht ganz leichten H e r z e n s , a b e r es scheint
m i r wichtig für die Beurteilung der ganzen weiteren Vorgänge.
Ich habe aus dem weiteren Verlauf noch nachzutragen, was Ihnen wohl
bekannt ist, daß diese P o l i z e i eine ganze Weile sozusagen die Ordnung aufrecht, erhielt, daß in dem Augenblick aber, wo die Menschenmenge ernsthaft
dazu überging, sich den Eingang erzwingen zu wollen, die Polizei sofort b e i seite t r a t und überhaupt nichts unternommen hat, u m ernsthaft Abwehr zu
leisten. Im Gegenteil, a l s nun die von m i r eingesetzten Leute, die den Auft r a g hatten, das Scherengitter sofort zu schließen, wenn der Eindruck entstehen könnte, daß die P o l i z e i nicht mehr voll funktionierte, da hat die P o lizei nicht nur nicht geholfen, sondern sie hat sogar das Schließen der Scher e n g i t t e r verhindert, indem ein P o l i z e i b e a m t e r seinen Fuß zwischen die b e i den Flügel stellte und das Schließen des Scherengitters dadurch unmöglich
machte.
(Hört!

Hört!)

F ü r den weiteren Ablauf der Sache ist es praktisch ohne Bedeutung g e wesen, weil es den Demonstranten gelang, auch noch an a n d e r e r Stelle sich
den Eingang zu erzwingen. Wir pflegen ja u n s e r e Verwaltungsgebäude nicht
als Festungen auszubauen. Aber es i s t grundsätzlich und m o r a l i s c h von B e deutung, daß die P o l i z e i nicht nur nicht geholfen hat, sondern zum mindesten
in einzelnen i h r e r Elemente dazu beigetragen hat, daß die Meute ihren Eingang in das Rathaus gefunden hat.
Genau so spielte es sich nachher im Innern ab, und auch das muß hier
vor der B e r l i n e r Öffentlichkeit ausdrücklich festgehalten werden. Als ich
nunmehr die mit den Demonstranten in das Haus gelangten Polize^ikräfte e r suchte, dafür zu sorgen, daß die Eingänge zum Stadtverordnetensitzungssaal gesichert würden, Als die Menge sich zum Stadtverordnetensitzungssaal
hineindrängte, wurde m i r von dem zur Verbindung mit m i r eingesetzten O b e r inspektor Gädke gesagt: H e r r B ü r g e r m e i s t e r , die Störung der Ruhe und Ordnung geht ja nur von diesen merkwürdigen fremden Elementen aus, die mit
der weißen Armbinde hier herumlaufen. Ich bin allerdings bei d i e s e r Gelegenheit ein wenig heftig geworden. Ich habe H e r r n Gädke das Haus verwiesen.
E r entfernte sich auch in d e r Tat und ließ die Amtshandlung, die darin b e stand, daß er die Ordner nach den P e r s o n a l i e n fragte und sie zum P o l i z e i r e v i e r d i r i g i e r t e , ließ diese Tätigkeit sein unter meinem recht energischen
Anpacken. Was tat e r ? E r begab sich in das Zimmer des sowjetischen V e r bindungsoffiziers und beschwerte sich dort über den B ü r g e r m e i s t e r , der ihn
bei-der Ausübung seiner polizeilichen Befugnisse behindert hätte.
(Hört!

Hört!)
        
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