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Periodical volume Nr. 81, 6. September 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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hereinfällt. Wir wollen uns auch gegen diesen Vorwurf nicht verteidigen.
"Wir w i s s e n und haben es absolut bekundet, daß es die d r e i demokratischen
P a r t e i e n gewesen sind und auch heute noch sind, die den Gedanken der Einheit Deutschlands und den Gedanken der einheitlichen Verwaltung Berlins
bis zum letzten aufrecht zu erhalten versucht haben. Ich kann an dieser
Stelle noch einmal feststellen, daß H e r r Stadtverordnetenvorsteher Dr. Suhr
es gewesen ist, der entgegen der Auffassung u n s e r e r Fraktion die Sitzung
heute noch einmal im Stadthaus einberufen hat, weil er noch den letzten V e r such machen wollte, die Einheit der Stadtverwaltung unter allen Umständen
zu erhalten.
Meine Damen und H e r r e n ! Wenn man uns und mir vorwirft, daß wir
Spalter sind, so muß ich allerdings dazu sagen: in einer Beziehung mögen die
Kommunisten recht haben, wenn sie uns mit diesem Vorwurf bedenken, n ä m lich wenn es sich d a r u m handelt, eine Spaltung oder eine Trennung vorzunehmen zwischen den zivilistischen demokratischen Kräften in Deutschland und
der Welt und den z e r s t ö r e n d e n und alles vernichtenden Kräften des K o m m u n i s m u s . Wir sind der Auffassung, daß diese Kräfte i s o l i e r t werden müssen, weil
sie nicht in der Lage sind, mit uns gemeinsam ein demokratisches Deutschland
aufzubauen, sondern weil sie nur wiederum, was wir in der Vergangenheit
schon einmal erlebt haben, ein neues Diktatursystem durchführen wollen, gegen
daß wir uns mit a l l e r Entschiedenheit wenden. Deshalb sind wir der Meinung,
daß diese Kräfte ausgeschaltet werden müssen, weil sie nicht den Willen haben
und nicht b e r e i t sind, mit uns auf eine gemeinsame demokratische Grundlage
zu t r e t e n .
Namens der Fraktion der L i b e r a l - D e m o k r a t i s c h e n P a r t e i darf ich a b s chließend e r k l ä r e n , daß wir genau wie die anderen beiden P a r t e i e n nur den
sehnlichen Wunsch haben, daß in diesem Hause die sachliche Arbeit fortgesetzt wird, daß insbesondere Maßnahmen vorgeschlagen und mit b e r a t e n w e r den, die dazu dienen können, die Auswirkungen der Blockade, an der wir nicht
schuld sind, die wir aber leider nicht verhindern konnten, zu mildern.
Wir haben - das darf ich abschließend sagen - in den letzten Tagen g e wisse Sorgen gehabt und haben sie auch heute noch, daß vielleicht in den A u s einandersetzungen und Verhandlungen, die zur Zeit stattfinden, nicht genügend dem Gesichtspunkt Rechnung getragen wird, daß der eine P a r t n e r mit
einem ganz bewußten Ziel o p e r i e r t . Wir hoffen, daß die Besatzungsmächte, die
zur Zeit in Berlin über eine Verständigung beraten, aus den E r e i g n i s s e n der
vergangenen Woche und insbesondere des heutigen Tages noch einmal die eindeutige L e h r e und Erkenntnis ziehen, daß es außerordentlich gefährlich ist,
dem Kommunismus weiter entgegenzukommen, als es unbedingt und u n e r l ä ß lich notwendig ist.
Wir haben in B e r l i n in den letzten Monaten viele Schwierigkeiten in Kauf
genommen. Wir sind b e r e i t - und ich glaube, wir können hier im Namen der
Bevölkerung sprechen -, auch weiterhin e r n s t e Schwierigkeiten, Not und Sorge
auf uns zu nehmen, wenn uns dafür u n s e r e F r e i h e i t erhalten bleibt. Nichts würde uns schwerer treffen, als wenn jetzt Erleichterungen geschaffen werden, nach
        
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