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Periodical volume Nr. 81, 6. September 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Stadtv. S G H W E N N I C K E (LDP) : Meine Damen und Herren 1 .
Namens der F r a k t i o n der L i b e r a l - D e m o k r a t i s c h e n P a r t e i möchte ich zu dem
Dringlichkeitsantrag, der auch von uns mit unterzeichnet wurde, folgendes
erklären.
"Wir haben b e r e i t s am vergangenen F r e i t a g , als sich zum zweiten Mal
i m Stadthaus d i e s e s t r a u r i g e Schauspiel abspielte, das heute seine F o r t s e t z u n g
erfahren hat, den Antrag gestellt, nicht noch einmal den Versuch zu u n t e r n e h men, in der ParochialstraJSe zu tagen, weil wir den Eindruck hatten und der
Überzeugung waren, daß die Kommunisten nichts unversucht l a s s e n würden,
u m uns bei j e d e m nochmaligen Versuch wiederum zu beweisen, daß sie H e r r
i m Hause sind und daß sie uns an der Arbeit hindern können, wenn sie es wollen. Wir hätten es an und für sich begrüßt, wenn b e r e i t s zu Beginn der vorigen
Woche eine Sitzung des Stadtparlaments in einem anderen Sektor, d.h. hier in
: diesem Raum stattgefunden hätte, weil wir der Überzeugung sind, daß die sach
liehe Arbeit, die von uns geleistet werden muß, viel zu wichtig sei, als daß
J -wir uns dauernd nur durch d e r a r t i g e u n e r h ö r t e Vorgänge an der Ausübung uns e r e r Tätigkeit hindern l a s s e n könnten.
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Inzwischen ist von der SED und einigen ihr hörigen Trabanten ein d e m o k r a t i s c h e r Block gebildet worden. Ich glaube, bei der Festlegung dieses Nam e n s ist ein I r r t u m unterlaufen. E s darf hier nicht heißen: demokratischer
Block, sondern antidemokratischer Block; denn nichts a n d e r e s ist die Z u s ä m menführung dieser Kräfte, die sich hier anmaßen, nun namens der B e r l i n e r
Bevölkerung in Berlin Politik treiben zu wollen. Wir kennen ganz genau die
H e r r e n , die sich dort zusammengefunden haben. Was der Kollege Ländsberg
in bezug auf H e r r n Brandt und den A r b e i t s k r e i s der CDU gesagt hat, kann ich
im Hinblick auf den A r b e i t s k r e i s der LDP nur genau so wiederholen. E s i s t
eine verschwindende Minderheit von ehrgeizigen Menschen, die sich dort zusammengefunden haben, die wir zum Teil sogar aus sehr gewichtigen Gründen
aus der P a r t e i ausschließen mußten und die nun glauben, hier unter dem Schutz
einer Besatzungsmacht nun doch i h r e m Ehrgeiz nachkommen und eine politische Rolle spielen zu können. Ich stehe nicht an, an dieser Stelle zu e r k l ä r e n ,
daß der V e r t r e t e r dieser sogenannten LDP-Arbeitsgeme inschaft ein f r ü h e r e r
Kommunist ist, der heute so tut, als ob er in der Lage w ä r e , liberale Gedanken zu v e r t r e t e n . Wir bedauern es, daß hier in Berlin unter dem Schutz einer
Besatzungsmacht die Möglichkeit gegeben worden ist, den demokratischen Gedanken - ich muß es noch einmal wiederholen - d e r a r t i g in den Schmutz zu
ziehen, wie es durch diese Gruppen geschehen ist.
Möge dieser antidemokratische Block tagen, sooft und soviel er will,
die Berliner Bevölkerung weiß, um welche Gruppe von Menschen es sich hier
handelt. Wir werden uns dadurch in keiner Weise beeindrucken l a s s e n , u n s e r e
Pflicht weiter zu erfüllen, weil wir wissen, daß wir allein nicht nur das Mandat von der Bevölkerung erhalten haben, sondern auch heute noch das V e r t r a u e n derjenigen Menschen besitzen, die uns vor zwei J a h r e n gewählt haben,
und daß wir durchaus auch die Verpflichtung haben, diesem V e r t r a u e n nachzukommen und u n s e r e Aufgaben weiterhin durchzuführen.
        
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