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Periodical volume Nr. 77, 15. Juli 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Wenn die Kontrollratsgesetzgebung dieses Ziel zu u n s e r m Bedauern
nicht e r r e i c h t hat, so ist das darauf zurückzuführen, daß die Besatzungsmächte die Politik, die sie mit i h r e r Steuergesetzgebung einzuleiten schienen,
leider nicht konsequent durchgeführt haben. Statt nämlich den Geldumlauf
zu v e r m i n d e r n , um Geldzeichen abzuschöpfen, haben die Besatzungsmächte
zu u n s e r e m Bedauern i m m e r wieder in riesigen Beträgen neue Geldzeichen
in den Verkehr geleitet in Gestalt von Besatzungsgeld. Man spricht von einem
Ausmaß von 15 Milliarden Besatzungsgeld, das als neue Umlaufmittel in den
Verkehr oder in die deutsche Wirtschaft hineingebracht worden sind, statt
die vorhandenen Umlaufmittel zu verknappen.
Die Politik der Besatzungsmächte, die mit der Erhöhung der Steuern
eingeleitet wurde, konnte auch deswegen keinen Erfolg haben, weil das Übermaß an Steuern, das einging, nicht dazu benutzt wurde, u m die Geldzeichen
allmählich aus dem Verkehr herauszuziehen, sondern weil man das, was
an Steuern einging, i m m e r wieder in den Verkehr hineingepumpt hat durch
übermäßige Besatzungskosten und dadurch, daß einige Besatzungsmächte
nicht gerade eben i m Einklang mit den Bestimmungen von P o t s d a m dazu ü b e r gegangen sind, aus der laufenden Produktion u n s e r e r Volkswirtschaft enorme
Beträge als Reparationen herauszuziehen, B e t r ä g e , die selbstverständlich
an diejenigen, die die Güter herstellten, bezahlt werden mußten. Auf diese
Weise sind enorme Summen von den durch Steuern aufgebrachten Geldmittel
wieder in den Verkehr hineingebracht worden. Diese K o n t r o l l r a t s g e s e t z g e bung hat, das muß man feststellen, in u n s e r e m Volk geradezu d e m o r a l i s i e rend gewirkt.
Wenn man Steuern überspannt - und das i s t hier in hohem Maße g e schehen -, so kann das keine andere Wirkung haben, als daß die S t e u e r m o r a l
i m m e r wieder abnimmt, ein E r g e b n i s , das in höchstem Maße zu beklagen ist.
Jetzt, meine Damen und H e r r e n , nachdem dem Übermaß an Umlaufsmitteln in Deutschland eine weitgehende Verknappung von Zahlungsmitteln
jedenfalls in den Westzonen und in den Westsektoren Berlins gefolgt ist, ist
die Aufrechterhaltung der jetzt geltenden Steuern vollkommen unmöglich,
wenn die Wirtschaft, die ja ohnehin nicht auf hohen Touren läuft, nicht i m m e r
weiter eingeschränkt werden soll. Ich glaube, alle sachkundigen Menschen
stimmen daher darin überein, daß eine Steuersenkung unbedingt notwendig,
und zwar sofort notwendig ist.
Zu meiner F r e u d e ist das auch von H e r r n B ü r g e r m e i s t e r Dr. Acker,
der in der B e r l i n e r Zeitung einen Aufsatz über die S t e u e r r e f o r m geschrieben
hat, ausdrücklich anerkannt worden. Ich halte nun im Gegensatz zu ihm die
Vorlage, die der Magistrat uns gebracht hatj für eine sehr gute, sorgfältige
Arbeit. Diese Arbeit ist ja.;nicht i m wesentlichen hier in Berlin gemacht w o r den, sondern, wie schon der H e r r B e r i c h t e r s t a t t e r hervorgehoben hat, i s t
die Regelung, die uns jetzt hier für Berlin vorgeschlagen werden soll, eine
Wiederholung dessen, was b e r e i t s in den westlichen Zonen Deutschlands gilt.
Dort ist diese Steuergesetzgebung in langen vorbereitenden Arbeiten einer
sachkundigen Beamtenschaft ausgearbeitet worden und sie hat uns ein E r g e b nis gezeitigt, das wir nur voll anerkennen können. Wir in der CDU stehen auf
        
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