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Periodical volume Nr. 77, 15. Juli 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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So war es bisher und die Währungsreform hätte nun die Voraussetzung geben sollen, das Übel an der Wurzel zu packen und einen neuen Wirtschaftsabschnitt einzuleiten.
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Wir verhehlen als Sozialdemokraten nicht u n s e r e Enttäuschung darüber,
daß e6 nicht zu einer einheitlichen Währung in Berlin und in Deutschland g e kommen ist. Aber die Zeit ist jetzt reif für eine S t e u e r r e f o r m , weil eben die
b i s h e r i g e n Besteuerungsgrundlagen nicht mehr gerechtfertigt sind. Wir als
Sozialdemokraten legen größten Wert darauf, daß in möglichst k u r z e r Zeit
in Berlin erhebliche Verbesserungen durchgeführt werden mit dem Ziel, eine
Senkung der Steuertarife herbeizuführen. Wir stellen mit Bedauern fest, daß
wieder einmal in d i e s e r Hinsicht eine große Chance verpaßt worden ist, i n dem infolge der Uneinigkeit der Alliierten es nicht möglich ist, ein einheitliches Steuergesetz für das ganze Deutschland zu schaffen.
Die S t e u e r r e f o r m im Westen ist b e r e i t s durchgeführt. Die S t e u e r r e f o r m
in der Ostzone ist in Bearbeitung und wird nach P r e s s e n a c h r i c h t e h bestimmt
in den nächsten Tagen veröffentlicht werden.
Die besondere Lage Berlins zeigt, daß wir es uns nicht leisten können,
weder die eine S t e u e r r e f o r m noch die andere der verschiedenen Zonen ohne
w e i t e r e s auf u n s e r e Stadt zu übertragen. Wir können weder die eine noch die
a n d e r e bedenkenlos übernehmen, sondern wir m ü s s e n das k l e i n e r e Übel wählen und m ü s s e n angesichts der machtpolitischen Verhältnisse die Berliner
S t e u e r r e f o r m durchführen. Die Vorlage des M a g i s t r a t s mit der Vorarbeit des
Landesfinanzamts zeigt i m m e r h i n noch manche Lücke und entspricht auch in
keiner Weise voll den Wünschen der Sozialdemokratischen P a r t e i . So sehr
wir uns über das spontane Tempo des H e r r n S t a d t k ä m m e r e r s und seiner Stellen gefreut haben, so sehr bedarf u n s e r e r Auffassung nach diese Verordnung
noch einer eingehenden Durcharbeitung, um von vornherein alle F e h l e r für
eine Steuerreform zu vermeiden, und wir geben den B e r l i n e r n das V e r s p r e c h e n
ab, daß alle Steuererleichterungen auf jeden F a l l rückwirkend von dem Währungsschnitt, vom 25. Juni ab in Kraft t r e t e n . Wir legen großen Wert darauf,
selbst wenn der H e r r S t a d t k ä m m e r e r so leicht lächelt, daß diese S t e u e r e r leichterungen auf alle F ä l l e rückwirkend durchgeführt werden.
In d i e s e r Steuerüberleitungsverordnung - ich kann mich nur ganz k u r z
damit befassen angesichts der vorgerückten Zeit - muß b e s t i m m t werden,
daß die Schlufibilanzen und die Anfangsbilanzen während des WährungsSchnitts
festzulegen sind, daß jeder Steuerpflichtige eine Schluß- und eine Anfangsbilanz aufstellen muß, um dann wieder einen Anfang mit neuem Geld zu haben.
Meine Damen und H e r r e n ! Welches sind die Forderungen der sozialdem o k r a t i s c h e n Fraktion für die neue Steuerregelung? Ich will in großen Zügen
k u r z darauf eingehen. Wir verlangen die allgemeine Senkung der Einkommenund Lohnsteuertarife, und zwar unter einer Bevorzugung der kleineren E i n kommen aus Löhnen und Gehältern. Wir fordern die Einführung der J a h r e s lohnsteuertabelle, die Erstattung der zuviel gezahlten Lohnsteuern. Wir möchten, daß es sich auch für den A r b e i t e r und Angestellten auswirkt, wenn er
wegen Krankheit und Arbeitslosigkeit nicht das volle J a h r arbeiten kann, und
        
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