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Periodical volume Nr. 77, 15. Juli 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Die Menge der in Berlin verausgabten neuen Geldscheine soll zur Zeit
in den Westsektoren etwa 250 Millionen D-Mark betragen, i m Ostsektor
etwa 330 Millionen Ostmark. Das macht zusammen beinahe 600 Millionen
RM. Das sind fast 200 RM pro Kopf der Bevölkerung, die a l s Bargeldumlauf
unter normalen Verhältnissen völlig ausreichen würden, um die Bedürfnisse
des Barzahlungsverkehrs zu decken. Denn Sie werden sich erinnern, daß
vor 1933 der Bargeldumlauf pro Kopf der Bevölkerung noch nicht ganz 100 RM
betrug.
' D u r c h die Überbewertung der D-Mark gegenüber der O s t m a r k sehen
8ich sowohl die Privatleute als auch die Geschäftsleute veranlaßt, die D-Mark
zu ; horten und sie auf diese Weise weitgehend dem Verkehr, zu entziehen. E r hebliche Beträge an D-Mark wandern aber nicht nur in die Brieftaschen- der
Bevölkerung der Westsektoren, sondern fließen aus den Westsektoren nach
dem Ostsektor und in die Ostzone ab, und zwar vor allem auf zwei Wegen.
Einmal gegen Mangelwaren, vor allem Zigaretten, die von F i r m e n des O s t s e k t o r s i l l e g a l gegen D-Mark in den Westsektoren verkauft werden, und zweitens werden größere Beträge von D-Mark von Aufkäufern des O s t s e k t o r s unmittelbar gegen Ostmark erworben. Die Folge des Hortens und des Abfluss e s der D-Mark in den Ostsektor und in die Ostzone ist jedenfalls, daß das
vorhandene neue Bargeld, obwohl es an sich in verhältnismäßig reichlichem
Umfang ausgegeben wurde, nicht ausreicht.
Zu diesen Schwierigkeiten auf der Bargeldseite, die an sich schon groß
genug sind, kommt noch eine weitere ebenso große auf der Buchgeldseite, die
in der Öffentlichkeit bisher, wie mir scheint, nicht genügend beachtet wurde,
nämlich die folgende:
Das Buchgeld in Berlin oder das Geld auf den Konten in der Girobank,
wie man will, umfaßt bekanntlich nur die Beträge, die seit der Kapitulation
sich bei den Geldinstituten angesammelt haben.
Die sogenannten Uraltguthaben dagegen, also diejenigen, die vor dem
8. Mai 1945 entstanden sind, müssen zunächst außer Betracht bleiben. Denn
diese Uraltguthaben werden im Westeektor nach der UmstellungsVerordnung
Ziffer 8, die die Westalliierten herausgegeben haben, e r s t später geregelt,
und im Ostsektor wird eine Buchgutschrift auf die alten Guthaben überhaupt
nicht erfolgen, sondern die Berechtigten sollen dafür eine innere Anleihe i m
Verhältnis 10 : 1 erhalten.
Zuverlässige Zahlen über die Höhe der Uraltguthaben der B e r l i n e r Bevölkerung liegen nicht vor, weil die Banken ja geschlossen sind, wie a l l g e mein bekannt ist. Da allein bei der Sparkasse von Berlin aber drei Milliarden
Altguthaben waren, muß man den Gesamtbetrag, der in Berlin an Sparguthaben und sonstigen Guthaben vorhanden war, auf wesentlich m e h r , vielleicht
auf 5, 6 oder 7 oder noch mehr Milliarden schätzen, wovon auf die Westsekt o r e n etwa 2/3 entfallen würde. Das würde für die Westsektoren einen Betrag
von etwa 4 Milliarden Uraltgeld bedeuten, und für die Umstellung würde es
einen Betrag von, sagen wir, 400 Millionen neuem Buchgeld bedeuten, wenn
        
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