Path:
Periodical volume Nr. 77, 15. Juli 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

77

49

auch für seine Vorteile zu erreichen. Sie muß im Namen einer gesunden
Währungspolitik geleistet werden. Sie baut sich auf einem anständigen, v o r sichtigen kaufmännischen Rechnungswesen auf. Dazu brauchen wir geeignete
B a n k i e r s , und wir glauben sie auch - nicht nur, H e r r Kollege Kielgast, sondern auch - unter den P r i v a t b a n k i e r s zu finden. Niemand von uns denkt
daran, sich heute eine Art Monopol von Privatbanken vorzustellen. Das w ü r de u n s e r e n absolut monopolfeindlichen Gedankengängen völlig ins Gesicht
schlagen. Wir wollen gesunde Konkurrenz. Wir denken daneben s e l b s t v e r ständlich auch an genossenschaftliche Einrichtungen. Wir haben bei den Genossenschaften einen gesunden Ausgleich von Kreditrisiken und den v e r s c h i e denen Debitorenkreisen. Wir haben aber auch P r i v a t b a n k i e r s , und wir glauben, daß es P r i v a t b a n k i e r s gibt, die hier arbeiten wollen, wenn man sie nur
zuläßt.
Damit kommen wir auf das Wesen der Zulassung. Natürlich stellen
wir uns das nicht als ein Tummelfeld für irgendwelche Abenteurer oder B e t r i e b e vor, bei denen wirtschaftliche und m o r a l i s c h e Voraussetzungen einer
Tätigkeit auf dem schweren Berliner Markt fehlen; denn eine sehr sorgfältige
wirtschaftliche, soziale und berufsmoralische Siebung ist für uns s e l b s t v e r ständlich.
Das Letzte, was zu sagen w ä r e , betrifft das, was der Kollege Reif
schon zutreffend b e r ü h r t hat. Wir sehen allerdings in diesem Sonderzweig
der Einrichtung von Wechselstellen eine ganz wesentliche Funktion, die jetzt
wieder aufgegriffen werden muß. Sie alle wissen, zu welch tollen, unübersichtlichen Erscheinungen die augenblickliche Lage geführt hat. E s fehlt
an jedem richtigen Maßstab für die Bemessung der beiden Währungen zueinander; es fehlt an Kalkulationsgrundlagen. Sie m ü s s e n wieder geschaffen w e r den. Wir wollen die Übertreibungen des Schwarzen M a r k t e s , auch gerade die
Übertreibungen zu Lasten der Ostmark keinesfalls länger mehr ansehen, sondern], glauben in einer sachlichen, sorgfältigen Prüfung der auf dem Markt v o r handenen Einschätzungen von D-Mark und Ostmark, die eben heftige Ausschläge nach oben und unten vermeidet und einen Ausgleich ermöglicht, eine
Gewähr dafür zu haben, daß wir allmählich wieder eine solide, b r a u c h b a r e
Notierung beider Währungen im Verhältnis zueinander e r r e i c h e n können,
ohne die man ja die jetzt bestehende P a r a l l e l i t ä t keinesfalls sozialpolitisch
verantworten könnte.
Stadtv. F r a u K R A P P E (SPD) : Meine Damen und H e r r e n ! Da
a l l e vorliegenden Anträge miteinander verbunden sind, will ich jetzt zu dem
Dringlichkeitsantrag der CDU-Fraktion betreffend Inkasso der V e r s o r g u n g s b e t r i e b e für die sozialdemokratische Fraktion einen Abänderungsantrag einbringen. Der Unterschied t r i t t dadurch zu Tage, daß für die Westsektoren die
Verbindlichkeiten, die vor dem 25. Juni bestanden, mit 1 : 1 0 abgewertet w e r den, während die Verbindlichkeiten im Ostsektor mit 1 : 1 bestehen bleiben.
Wir v e r t r e t e n aber i m m e r wieder mit besonderer Energie die Auffassung,
daß Verordnungen und Gesetze einheitlich für G e s a m t - B e r l i n zu schaffen und in
Kraft gesetzt werden sollen. Wir bringen deshalb den Dringlichkeitsantrag
ein, der Magistrat möge versuchen, bei der sowjetischen Besatzungsmacht
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.