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Periodical volume Nr. 76, 1. Juli 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Die Wirtschaftskommission der Ostzone wird keinen Augenblick b e r e i t sein,
diejenigen Rohstoffe und Halb waren, die wir für Berlin brauchen, auch zur
Verfügung zu stellen.
(Stadtv. Baum: W a r u m ? )
- Denn die Ostzone kann es nicht.
(Stadtv. Baum: Versuchen Sie es doch einmal!)
- Das kann in dem Augenblick geschehen, in dem die westlichen Sektoren
nicht mehr v e r s o r g t werden könnten. Bisher aber liegen die Grundlagen so,
daß der Viermächtestatus von Berlin und der ganz ausgesprochene Wille vor
allen Dingen der Zentralkommandantur und der SMA eine a n d e r e Lösung für
Berlin ausschließen.
Ich halte es für abwegig, wenn der H e r r Stadtverordnete Orlopp sich
auf die Logik der Geographie beruft. Wenn die sowjetische Zone, in die B e r lin eingeschlossen ist, das Hinterland Berlins sein soll, dann hätte der B e r liner Einwohner von der Zone bisher mehr sehen m ü s s e n . Aber wir haben als
B e r l i n e r Einwohner, und zwar ganz i m Gegensatz zu jenen Städten, die wirklich ein Hinterland haben, wie ich schon einmal sagte, aus der Zone noch nicht
einen Tropfen Magermilch gesehen, noch nicht ein G r a m m Käse, noch nicht
ein Ei und noch nicht ein G r a m m Fisch, wie das in allen Städten s e l b s t v e r s t ä n d lich ist, die wirklich ein Hinterland haben.
(Sehr richtig! bei der SPD.)
Dazu sind sie bisher noch nicht fähig gewesen, dieses Hinterland für Berlin
in diesem Sinne auch nur einen Augenblick, nur einen Monat für einen einzig
gen Einwohner fruchtbar zu machen. Und wenn man glaubt, Berlin hätte ein
Hinterland, und hinausfährt, u m sich von draußen etwas zu v e r s o r g e n , - nun,
Ihnen ist es nicht verborgen, daß e r s t e n s a l l e s , auch die Gartenprodukte, die
produziert werden, in die Pläne der SMA eingeplant sind, und daß zweitens
a l l e s , was nach Berlin gebracht wird, den Einwohnern, die nach Berlin zurückkehren, abgenommen wird.
(Sehr wahr! bei der SPD und CDU. - Zuruf von der
SED: Bitte, Unkenntnis schützt nicht vor Strafe!)
Insbesondere halte ich es für außerordentlich unglücklich, wenn d e r a r t i g e
Überlegungen, man könnte sich an die Wirtschaftskommission wenden, in
einem Augenblick ausgesprochen werden, wo, wie mir scheint, das Letzte
geschieht, u m die letzten Bande der Einheit, der wirtschaftlichen Einheit,
der politischen Einheit und der Verwaltungseinheit, endgültig zu z e r r e i ß e n .
(Beifall bei der

SPD.)

Stadtv. S W O L I N Z K Y (SPD) : Meine Damen und H e r r e n ! E s e r scheint m i r tunlich darauf hinzuweisen, daß hier i m allgemeinen die Diskussion den Stadtverordneten o b l i e g t . Wir haben neulich gesehen, daß hier eine
ganze Reihe von Magistratsmitgliedern in einem - man v e r z e i h e m i r ! -
        
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