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Periodical volume Nr. 74, 23. Juni 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Umtauschverhältnis v o r a u s , das keiner m e r k t , nämlich ein Umtauschverhältnis von 1 : 1. Wenn es etwas a n d e r e s gibt a l s einen K u r s , ist die ganze G e schichte überhaupt nicht zu debattieren, dann ist sie für Berlin völlig unmöglich. Nur ein Verhältnis, wie wir es heute zwischen dem a l l i i e r t e n Gelde und
dem deutschen Gelde haben, könnte eine Lösung darstellen. Nun bitte ich einm a l zu überlegen, welche Voraussetzungen für eine solche Lösung nötig wären.
Und dann fragen Sie: was ist Realpolitik?
(Beifall bei der SED.)
Stadtv. Dr. R E I F (LDP): Meine Damen und H e r r e n ! E s wird hier
i m m e r wieder mit einer Selbstverständlichkeit, als gäbe es darüber nur eine
Meinung, behauptet, daß die B e r l i n e r Wirtschaft mit einer P a r a l l e l w ä h r u n g
nicht arbeiten könne. Auch H e r r B ü r g e r m e i s t e r Dr. Acker hat das mit einer
Intoleranz gesagt, die ich bei ihm jedenfalls in den Ausschußsitzungen nicht gewöhnt bin. E r sollte es doch b e s s e r wissen. E r hat uns nun heute die Schrecken
einer solchen P a r a l l e l w ä h r u n g dadurch näherzubringen v e r s u c h t , daß e r von
v o r n h e r e i n u n t e r s t e l l t e , daß man hier mit gleitenden Kursen rechnen m ü s s e .
Wenn ich m i r von v o r n h e r e i n darüber klar bin, daß die eine Währung u m soviel
schlechter ist als die andere
(sehr richtig! bei der

LDP)

und v e r m u t l i c h in der nächsten Zeit abrutschen wird, dann hat s e l b s t v e r s t ä n d lich der ganze Versuch keinen Zweck. Aber ich glaube, ich habe als L i b e r a l e r
ein b e s o n d e r e s Recht, das zu sagen, und zwar deshalb, weil wir der Meinung
sind, daß die Währungsreform i m Westen wesentliche Erfolge mehr dadurch e r zielen wird, daß gleichzeitig eine Auflockerung der Zwangswirtschaft erfolgt,
a l s durch den Währungsakt selbst.
(Zurufe von der SED.)
Wir sind uns über eines k l a r . Wenn wir versuchen, aus der Not eine Tugend
zu machen, oder wenn wir versuchen, aus einer Situation, die wir nicht geschaffen haben, sondern die Besatzungsmächte, von denen uns jetzt jede Gruppe eine
Währung offeriert, das Beste herauszuholen und zu sagen: "Gut, wir akzeptieren
beide Währungen als gesetzliche Zahlungsmittel für Berlin", so wissen wir, daß
die P a r i t ä t d i e s e r beiden WäHwungön manipuliert werdön muß. Das bedeutet, daß
die Wünsche, die ich als L i b e r a l e r an die Entwicklung des B e r l i n e r Wirtschaftslebens stelle, sich wahrscheinlich nicht so schnell erfüllen l a s s e n , wie wenn man
es a n d e r s machte; denn ich weiß, daß hinter beiden Währungen gelenkte W i r t schaften stehen und daß durchaus die Möglichkeit gegeben ist, zu stören, daß
a b e r mit demselben Apparat auch die Möglichkeit gegeben ist, die Währungspolitik zu disziplinieren.
Wenn H e r r B ü r g e r m e i s t e r Acker gesagt hat, hier seien keine Vorschläge
gemacht worden, so möchte ich doch der Meinung Ausdruck geben, daß das, was
H e r r B ü r g e r m e i s t e r F r i e d e n s b u r g ausgeführt hat, eine wichtige Anregung enthält.
(Zustimmung bei der L D P . )
        
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