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Periodical volume Nr. 74, 23. Juni 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

74

23

Vorstand des FDGB mit den Vorsitzenden der Gewerkschaften folgenden
Beschluß:
Der Vorstand des FDGB G r o ß - B e r l i n
. ,

(Zuruf von der SPD:

a.D.)

hat in seiner heutigen Sitzung mit den Vorsitzenden der Gewerkschaften z u s a m m e n zu der Währungsreform in Berlin Stellung g e nommen. E r steht auf dem Standpunkt, daß für Berlin nur eine einheitliche Währung möglich ist, da es auch nur einen einheitlichen
Berliner Wirtschaftsorganismus gibt.
(Zurufe von der SPD und der

CDU.)

Nach Lage der Dinge kann für ganz Berlin nur eine mit der sowjetisch
besetzten Zone gemeinsame Währung gelten.
(Zustimmung bei der SED. ~ Lachen und Widerspruch bei der
• SPD, der CDU und L D P . )
Eine sektoräle gespaltene Währung ist wirtschaftlicher Wahnsinn. Hunderttausende B e r l i n e r arbeiten in anderen Sektoren a l s in dem Sektor
i h r e s Wohnsitzes. Sie m ü s s e n mit i h r e n Arbeitslöhnen an i h r e m Wohnsitz einkaufen können.
(Sehr richtig! bei der SED. )
Die V e r k e h r s m i t t e l können nicht an den Sektorengrenzen halt machen
und die F a h r g ä s t e e r s t a m P o t s d a m e r P l a t z und am Brandenburger
Tor in die Wechselstuben schicken.
(Zustimmung bei der SED. - Zurufe von der SPD und der CDU.)
Über Hunderttausend Menschen, die in den Randgebieten B e r l i n s wohnen, arbeiten in Berlin und erhalten hier in Berlin i h r e Löhne a u s gehändigt. Sie m ü s s e n aber die Ausgaben i h r e s Lebensunterhaltes
in i h r e m Wohnort bestfeiten.
(Fortgesetzte Zurufe von der SPD und der

CDU.)

Das können sie nicht mit einer für die Westzonen gültigen Währung.
Das wirtschaftliche Leben Berlins i s t mit der Ostzone so eng v e r flochten, daß schon diese Tatsache allein die Einführung einer w e s t lichen Währung für B e r l i n v e r b i e t e t . Sie bedeutet für Hunderttausende
den wirtschaftlichen Ruin und Massenarbeitslosigkeit. Einkäufe für die
Werksküchen, die Beschaffung von Brennstoffen für die B e r l i n e r H a u s halte und Betriebe erfolgen in der Ostzone und können nur mit der in
der Ostzone gültigen Währung bezahlt werden. Zahllose B e r l i n e r A r ' 'beiter und Angestellte haben verwandtschaftliche und bekannt schaftliche Beziehungen zu den Einwohnern d e r angrenzenden Gebiete. Der
größte Teil von ihnen verlebt dort auch seinen Erholungsurlaub.
(Zurufe und Lachen bei der SPD.)
        
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