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Periodical volume Nr. 74, 23. Juni 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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ein e x t e r r i t o r i a l e r Bezirk, der es dem Magistrat ermöglicht, seine zent r a l e Funktion auszuüben. - Ich glaube nicht, meine H e r r e n , daß diese
Dinge zum Lachen sind, sondern das sind sehr e r n s t e Vorschläge. Leider
begreifen Sie diese Dinge i m m e r e r s t ein Vierteljahr h i n t e r h e r .
Meine Damen und H e r r e n ! In diesem Zusammenhang wird zweifellos
die Stadtverordnetenversammlung noch mehr zu sagen haben. Ich möchte
jetzt darauf hinweisen, daß die S P D - F r a k t i o n sich vorbehält, i m weiteren
Verlauf der E r e i g n i s s e einen entsprechenden Antrag zu stellen und i n s b e sondere schon jetzt darauf hinzuweisen, daß die geldtechnischen Maßnahm e n in Berlin seitens des M a g i s t r a t s und der S t a d t v e r o r d n e t e n v e r s a m m lung ergänzt werden m ü s s e n durch eine Reihe von Maßnahmen sozialer Natur, durch Maßnahmen auf dem Gebiet der Steuerreform, des L a s t e n a u s gleichs, der Arbeitslosenunterstützung in produktiver F o r m , des Schutzes
der Kleinrentner und vor allen Dingen im Kampf gegen die Schaffung einer
Panik, die manchen sehr erwünscht ist, die Verkündung einer E n t l a s s u n g s s p e r r e i m Zusammenhang mit den monetären Maßnahmen.
Ich darf Sie i m Namen der sozialdemokratischen F r a k t i o n bitten, der
gemeinsamen Entschließung, die H e r r Stadtverordnetenvorsteher b e r e i t s
vorgelesen hat, i h r e Zustimmung zu geben, und ich schließe mit dem Appell
in dieser e r n s t e n Stunde, daß ohne Rücksicht auf das, was geschehen ist,
es für alle B e r l i n e r als Deutsche und als Europäer nur eine Pflicht geben
kann: dem Chaos zu steuern und gemeinsam zusammenzuwirken, um B e r lin seine Stellung in Deutschland zu erhalten und u m damit Deutschland zu
einem Faktor des F r i e d e n s in Europa und in der Welt zu machen.
(Lebhafter Beifall bei der SPD.)
Stadtv. L A N D S B E R G (CDU) : Meine Damen und H e r r e n ! In
d i e s e r ernsten Stunde hält es die Fraktion der CDU nicht für angebracht,
mit Reden den P a r t e i s t r e i t wieder hochkommen zu l a s s e n . Wir glauben
und hoffen, daß es möglich sein wird, daß die P a r t e i e n dieses Hauses sich
zu einer einmütigen Beschlußfassung zusammenfinden, wie es die überwiegende Mehrheit u n s e r e r Berliner Bevölkerung e r w a r t e t und verlangt. In
d i e s e r Situation sehen wir davon ab, auf die einzelnen F r a g e n der Währungsg e s e t z e einzugehen. Wir gläub'ein, daß bei den kommenden Gesetzentwürfen,
die uns der Magistrat vorlegen will, genug Gelegenheit gegeben sein wird,
u n s e r e Auffassung zu den verschiedenen Maßnahmen darzutun. Wir b e s c h r ä n ken uns heute auf die folgende Erklärung, die ich namens der F r a k t i o n der
CDU v e r l e s e :
'
Die Politik der CDU war seit i h r e r Gründung stets darauf bedacht, die
durch die Zonengrenzen g e s t ö r t e deutsche Einheit und eine freie deutsche Selbstregieruhg so schnell wie mögljch wieder zu erlangen. Die
Hoffnungen auf baldige Erfüllung d i e s e r Ziele, die durch die P o t s d a m e r
Beschlüsse i m August 1945 im deutschen Volke erweckt wurden, sind
bitter enttäuscht worden. Die gemeinsame Verantwortung der A l l i i e r ten für das Schicksal eines 70-Millionen-Volkes hätte ihnen bei
        
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