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Periodical volume Nr. 73, 19. Juni 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Darauf bin ich ja, wie Sie wissen, geradezu v e r r ü c k t . Ich hätte jetzt gern
von Ihnen einmal gehört, daß Sie, nun einmal Weisungen erteilen, wie wir
uns nun verhalten sollen. Denn darüber kann doch unter uns kein Streit b e stehen: so, wie die Lage jetzt ist, ist sie doch unhaltbar; es ist doch unmöglich, daß die R e i c h s m a r k in diesem Gebiet und in der sowjetischen Zone in d i e s e r F o r m erhalten bleibt, nachdem i m Westen schon eine a n d e r e
Währungseinheit eingeführt ist. Das werden Sie ohne w e i t e r e s a l s ökonom i s c h richtig anerkennen. Wenn es aber nicht der F a l l ist, daß es in diesem Zustand bleiben kann, wie soll es denn nun werden? Das hätte ich gern
einmal von Ihnen klar und eindeutig gewußt, wie Sie, meine Damen und H e r r e n Abgeordneten, sich die Wirklichkeit nun vorstellen.
Ich habe aufmerksam einer Debatte in I h r e m Währungspolitischen A u s schuß gelauscht, wo nicht nur die H e r r e n Abgeordneten, sondern auch g e r a d e Experten ihre Meinung zum besten gegeben haben. Ich jxiuß Ihnen s a gen: ich war e r s c h ü t t e r t nach dieser E r ö r t e r u n g . Ich hätte auch e r w a r t e t ,
daß der H e r r Stadtrat für Banken und Versicherungen uns in d i e s e r Situation
nun einmal einen Weg zeigt, wie wir in d i e s e r Lage weiterkommen. Denn,
seien wir uns doch darüber im k l a r e n , meine Damen und H e r r e n : nachdem
es keinem Zweifel unterliegen kann, daß die Reichsmarkwährung auch bei
uns nicht zu halten ist, entsteht die F r a g e : was soll nun? - Es wird zum
Teil darauf geantwortet, daß Berlin eine eigene Währung e r r i c h t e n soll.
Seien wir uns doch darüber k l a r : es gibt keinen wirklichen Ökonomen, der
eine solche Konstruktion für möglich hält. Man kann natürlich a l l e s machen.
Man kann eine Währung solcher Art machen. E s handelt sich bloß darum,
wie lange man sie halten kann. Da soll es ja schon Beispiele geben für solche Dinge, die nicht ganz haltbar sind.
Ich würde es für ein Unglück halten, wenn wir jetzt in Berlin den Weg
gingen, nun eine Serie von Währungsreformen aufzulegen. Wenn ich also
zu der Meinung komme, daß eine eigene Währung eine Angelegenheit ist,
die in u n s e r e r wirtschaftlichen Lage unmöglich ist, weil wir eben ja doch
eine Stadt sind, die sich gar nicht a u s sich h e r a u s erhalten kann, und wir
doch seither in großem Umfang mit Export von Geldzeiehen u n s e r e Einfuhr
beza>Mt Haben - das würde natürlich mit der neuen Währung nidht lange ge'hen,
dann wäre sie r e s t l o s entwertet -, dann muß ich noch einmal fragen: Was
wollen Sie nun machen? Wollen Sie eine Doppelwährung in Berlin haben,
eine O s t - und eine Westwährung? - Seien Sie sich doch bitte darüber i m
k l a r e n , daß das überhaupt doch nur ginge, wenn sich die Alliierten wieder
v e r s t e h e n , d.h. wenn sie über diese Dinge überhaupt einmal miteinander
r e d e t e n und eine kunstvolle Konstruktion machten, die überhaupt ein solches
nach m e i n e m Dafürhalten lebensunfähiges Kind mit einem Scheinleben v e r sähe.
Was bleibt dann übrig? - E s bleibt die F r a g e : Ostwährung oder W e s t währung? Ich kann m i r nicht helfen. Ich v e r r a t e Ihnen wahrscheinlich kein
Geheimnis, meine Damen und H e r r e n , wenn ich sage: es gab bis vor k u r z e m
selbst in den Reihen der P o l i t i k e r , die m i r nicht nahestehen, sondern die
        
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