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Periodical volume Nr. 73, 19. Juni 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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die F r a g e der Währung und des Bankenwesens einheitlich für Deutschland
geregelt werden soll. E s kann also keinem Zweifel unterliegen, daß das,
was j e t z t im Westen geschehen ist, diesen völkerrechtlichen Abmachungen
w i d e r s p r i c h t . Ich hätte deshalb an sich angenommen, daß Sie auch einmal
davon sprechen würden, daß im Westen etwas geschieht, was mit dem b i s h e r i g e n Recht nicht zu v e r e i n b a r e n ist.
Das Merkwürdige dahei ist, daß es sachlich gar nicht nötig war, so
zu verfahren. Wo liegt denn der zwingende Grund dafür, Deutschland zu
scheiden? E s gibt keinen! Sie haben vorhin gesagt: die S p e r r e der Konten
im Osten war unrichtig. Das E r s t e , was in der westlichen Währungsreform
steckt, i s t i m Grunde genommen die S p e r r e der Konten, die nur leider
d r e i J a h r e zu spät kommt.
(Zurufe von der CDU und der SPD.)
Man hätte nach m e i n e m Dafürhalten diese Dinge d a m a l s einheitlich in der
F o r m machen sollen, daß sich auch die westlichen Alliierten entschlossen
hätten, dem P a p i e r s c h w a l l im Westen schon damals ein Ende zu machen.
Viele Lungerer und A r b e i t s s c h e u e sowie a n d e r e Leute, d e r e n Existenz in
der Tat nicht m e h r ganz nachweisbar ist, hätten den Weg zur Arbeit finden
können. E s gibt tatsächlich keinen ausreichenden dringenden Grund für diese Währungsreform. Ich betone auf der anderen Seite: Im Osten ist nach
m e i n e r Kenntnis der Dinge keine Währungsreform gleicher Art in V o r b e r e i tung. Sie sehen aus den Verhältnissen, wie sie jetzt gegeben sind, daß die
Vorbereitungen für eine s e p a r a t e Reform in der Tat im Westen getroffen
worden sind, während sie im Osten nicht getroffen wurden.
(Stadtv.

Landsberg: Was geschieht heute im Stadtkontor?)

- H e r r Abgeordneter, ich bin gern b e r e i t , mich nachher noch ein klein wenig
mit Ihnen darüber zu unterhalten. Aber bringen Sie mich einen Augenblick
nicht aus dem Konzept! Ich bin Ihnen sehr gut gefolgt, und jetzt möchte ich
Ihnen zunächst noch ein p a a r Pointen d a r r e i c h e n . L a s s e n Sie mich also s a gen, meine Damen und H e r r e n : es gab keinen gewichtigen Grund außer den
Gründen der Außenpolitik der a m e r i k a n i s c h - b r i t i s c h e n Regierung, Deutschland zu trennen. Das ist in der Tat eine t r a g i s c h e Entscheidung, Denn ich
bin m i r bewußt: jetzt fällt Deutschland auseinander, und was das für
Deutschland bedeutet, das werden wir in den nächsten Monaten und J a h r e n
zu spüren haben. Ich habe geradezu in diesem Augenblick den Eindruck,
daß wir diesen Krieg jetzt e r s t noch einmal v e r l o r e n haben durch diese Spaltung.
(Sehr richtig! bei der SED.)
Meine Damen und H e r r e n ! Aber nun zu dem, was Sie jetzt zu der Lage
i m übrigen gesagt haben! Wie kommen wir denn nun w e i t e r ? - Sie haben
nun zwar deklamatorisch von Tragik und sonst etwas gesprochen. Aber was
soll denn jetzt geschehen? Ich habe sonst i m m e r gern davon gehört - Sie
wissen, daß das meine besondere Vorliebe ist -, daß Sie Weisungen erteilen.
        
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