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Periodical volume Nr. 73, 19. Juni 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Darum behaupten wir von der Sozialdemokratischen P a r t e i : es i s t
eine ureigene Angelegenheit der B e r l i n e r Bevölkerung, welchem W ä h r u n g s s y s t e m sie sich zuwenden will. Ich e r k l ä r e hier i m Namen m e i n e r F r a k tion: wir möchten bleiben, was wir sind, das einstweilen leider von vier
Mächten besetzte Berlin, keine Zone, sondern das n e u t r a l i s i e r t e , von
vier Mächten b e h e r r s c h t e Gebiet Berlin. Da wünschen wir, daß man uns
weder in die eine noch in die andere Sphäre zwingt. Wir bestehen darauf,
daß man uns in Berlin ein Sonderrecht für ein Währungssystem gibt, das,
wenn es an das eine oder andere angelehnt sein sollte, wie H e r r Schwennicke
richtig sagte, nicht schematisch, nicht mechanisch mit dem einen oder a n deren verkoppelt wird. Wir möchten den F r i e d e n mit der Welt. Wir möchten
den Geschäftsverkehr mit allen Nationen. Aber bitte, dann peinigt uns nicht,
sondern laßt uns die freie Entscheidung, die für meine P a r t e i heißt: wir
wollen die m o n e t ä r e Selbstverwaltung B e r l i n s , die nur darin b e s t e h e n kann,
daß wir von den vier Mächten fordern: wenn ihr euch nicht einig werden
könnte tobt euch nicht auf u n s e r e m Rücken a u s ! Wir w a r e n oft genug Objekte der H e r r e n Sieger. Laßt uns endlich einmal wieder Menschen sein, und
laßt uns selbst b e s t i m m e n , wem wir v e r t r a u e n ! Laßt uns vor allen Dingen
selbständig sein!
. (Lebhafter Beifall bei der SPD, der CDU und der L D P . )
B ü r g e r m e i s t e r Dr. A C K E R- : Meine Damen und H e r r e n ! Die R e den der einzelnen H e r r e n Abgeordneten ließen zum Teil eine Drohung a n klingen. Vielleicht i s t es Ihnen erwünscht, daß ich Ihnen die Entscheidung
insoweit etwas e r l e i c h t e r e . Ich will deshalb versuchen, einige sachliche B e merkungen zu dem vorliegenden Gegenstand zu machen.
E s i s t in d i e s e m Hause wahrlich keine gerade milde Kritik a m Osten
geübt worden. Ich will nicht untersuchen, wieweit sie berechtigt war oder
nicht. Ich will nur darauf hinweisen, daß doch eigentlich heute einmal ebenso frisch von Ihnen gegen den Westen hätte vom Leder gezogen werden m ü s sen. Sie haben zwar es als eine gewisse t r a g i s c h e Entscheidung beklagt, daß
die Westwährung nunmehr g e s t a r t e t worden ist. Aber ist das eine Antwort
in dieser Lage? Seien wir doch einmal nüchtern und k l a r ! Versuchen wir,
ohne daß wir u n s e r H e r z links oder r e c h t s schlagen l a s s e n , die Dinge ganz
nüchtern zu sehen! E s kann nach meinem Dafürhalten keinem Zweifel u n t e r liegen, daß die Einführung der Westwährungsreform, dieser s e p a r a t e n R e form, ein Bruch des seitherigen Rechtes ist.
(Zustimmung bei der SED. )
Bitte, lesen Sie die Feststellungen der a l l i i e r t e n Regierungen vom 5. Juni
1945! Dort finden Sie in einer einheitlichen Erklärung die eindeutige B e stimmung, daß wir in Deutschland vom Kontrollrat und in B e r l i n von der
A l l i i e r t e n Kommandantur r e g i e r t werden. In der nachfolgenden E r k l ä r u n g ,
die wir die sogenannten P o t s d a m e r Beschlüsse genannt haben, ist dann a u s drücklich unter B 14 gesagt, daß während der Besatzungszeit in Deutschland
        
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