Path:
Periodical volume Nr. 73, 19. Juni 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

16

73

Die Reform bringt überall in deutschen Landen Schwierigkeiten.
Es wird gewiß nicht so sein, daß morgen oder ü b e r m o r g e n die goldenen
Tage i m Westen anbrechen werden; es werden auch dort schwere Zeiten
kommen. F ü r uns aber ist heute der Tag gekommen, an dem es u m eine
e r n s t e und wichtige Entscheidung geht, um eine Entscheidung allerdings
- und daran m ü s s e n wir i m m e r denken -, die nicht in u n s e r e r Hand liegt.
Mit dieser Entscheidung hängt eine Fülle a n d e r e r wichtigster P r o b l e m e
zusammen. Die F r a g e einer S t e u e r r e f o r m , die F r a g e eines Ausgleiches
usw. , alle diese Dinge müßten in diesem Zusammenhang behandelt werden.
So l a s s e n Sie mich zum Schluß in aller Kürze die F o r d e r u n g e r h e ben, die die CDU in d i e s e r Stunde erhebt. Wir lehnen eine einseitige Währ u n g s r e f o r m , von welcher Seite sie auch kommen mag, ab. Wir wünschen,
daß in Gesamtdeutschland ein und dasselbe Geld gilt, und wir haben i m m e r noch die Hoffnung, daß es den Bemühungen der vier Mächte gelingen
möge, das jetzt Getrennte sehr schnell wieder zusammenzuführen. Wir
stimmen deshalb der E r k l ä r u n g des M a g i s t r a t s zu und setzen uns in der
Beschlußfassung für die E r k l ä r u n g ein, die der H e r r Kollege Schwennicke
für die d r e i Fraktionen der demokratischen P a r t e i e n dieses Hauses abgegeben hat.
(Beifall bei der CDU, der SPD und der LDP.)
Stadtv. M A R O N (SED) : Meine Damen und H e r r e n ! Im Gegensatz
zu der b e m e r k e n s w e r t e r w e i s e von H e r r n Schwennicke als Sprecher der LDP,
CDU und SPD vorgetragenen gemeinsamen E r k l ä r u n g dieser drei P a r t e i e n
hält die Stadtverordnetenfraktion der SED die E r k l ä r u n g der M a g i s t r a t s m e h r h e i t für völlig ungenügend, da sie nicht die notwendigen Konsequenzen
aus der nicht von uns geschaffenen Lage zieht und nur s e l b s t v e r s t ä n d l i c h e
technische Hinweise gibt. Ich habe deshalb i m Namen der Stadtverordnetenfraktion der SED folgende E r k l ä r u n g zu der Mitteilung des M a g i s t r a t s über
die Folgen der s e p a r a t e n Währungsreform im Westen abzugeben:
Was wir leidenschaftlich bekämpft haben und weiter bekämpfen w e r den, ist leider Tatsache geworden. Durch die von der Londoner
Sechsmächtekonferenz unter Ausschluß einer Besatzungsmacht b e schlossene s e p a r a t e W ä h r u n g s r e f o r m in den d r e i Westzeftien wurde
die Spaltung und Zerreißung Deutschlands vollendet. Die a m e r i k a n i sche, englische und französische Besatzungsmacht und der F r a n k furter W i r t s c h a f t s r a t haben mit der s e p a r a t e n Währungsreform dem
deutschen Volke und insbesondere Berlin einen furchtbaren Schlag
v e r s e t z t . Ohne das deutsche Volk zu befragen oder nur anzuhören,
wurden die d r e i Westzonen abgetrennt und zu einem kolonialen Randgebiet des Westblocks gemacht.
(Sehr richtig! bei der SED.)
Jetzt wird dem deutschen Volke k l a r , w a r u m die Westmächte
die Londoner Konferenz der Außenminister im Dezember des Vorj a h r e s gesprengt, die Schaffung einer gesamtdeutschen Regierung
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.