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Periodical volume Nr. 73, 19. Juni 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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müßige F r a g e , eine F r a g e , die man nicht i m m e r wieder stellen sollte,
die aber gerade jetzt wieder erhoben wird. Nach u n s e r e r Auffassung hat
man schon durch die Einrichtung der Zentralverwaltungen eine s t a r k e
Entscheidung nach der Spaltung Deutschlands vollzogen.
(Sehr richtig!)
Wenn man diese Zentralverwaltungen in der sowjetisch besetzten Zone
wirklich zu deutschen Zentralverwaltungen für Gesamtdeutschland aufgebaut hätte, dann hätte etwas Günstiges für Deutschland entstehen können.
So a b e r i s t es dahin gekommen, daß schon lange, bevor bizonale oder gar
trizonale Entscheidungen herangereift sind, für die Ostzone eine Trennung
vom übrigen Deutschland vollzogen worden ist. Und wenn man gar an die
s t r u k t u r e l l e n Veränderungen der Wirtschaft denkt, an die A r t , wie die Bodenreform in der sowjetisch besetzten Zone durchgeführt wurde, an die Art,
wie die Sequestrierungen der Betriebe durchgeführt wurden - überall hat
man Entwicklungen in der sowjetisch besetzten Zone vorgenommen, die eine
Trennung von der ganz a n d e r s a r t i g e n Entwicklung des übrigen Deutschlands
bedeuten.
(Stadtv. F . Reuter (SED) : Sie wollten also F r e i h e i t für
Stinnes?)
- Ich habe nicht die Absicht, H e r r Stadtverordneter Reuter, auf Ihre Zwischenrufe heute einzugehen. Sie wissen, daß ich die geistige A u s e i n a n d e r setzung mit Ihnen in gar keiner Weise fürchte, und ich bin gern b e r e i t , in
der nächsten Sitzung mit Ihnen sehr klar die Klinge zu k r e u z e n . Heute scheint
es m i r notwendig, daß wir uns bescheiden und daß wir mit E r n s t und Würde
die schwierigen P r o b l e m e behandeln, die heute hier zur E r ö r t e r u n g stehen.
(Beifall bei der SPD und

CDU.)

Denn die W ä h r u n g s r e f o r m für Berlin ist von entscheidender Bedeutung
und um so schwieriger für uns, als wir zu u n s e r e m großen Bedauern in der
heutigen M o r g e n p r e s s e sehen mußten, daß die Auffassungen der vier B e satzungsmächte über diese F r a g e so außerordentlich v e r s c h i e d e n sind. Der
Auffassung der b r i t i s c h e n M i l i t ä r r e g i e r u n g , abgegeben von H e r r n General
H e r b e r t , die mit Zustimmung von H e r r n O b e r s t Howley und H e r r n General
Ganeval erfolgt ist, s t i m m e n wir zu, und wir begrüßen es, daß B e r l i n von
d i e s e r W ä h r u n g s r e f o r m nicht betroffen ist, da Berlin von den vier B e s a t z u n g s mächten g e m e i n s a m verwaltet wird. Wir w a r e n b e s t ü r z t und e r s c h r e c k t , a l s
wir die Stellungnahme des H e r r n M a r s c h a l l s Sokolowski in dem Aufruf an
die deutsche Bevölkerung sahen, weil nach seiner Meinung das Gebiet G r o ß B e r l i n s wirtschaftlich einen Teil der Sowjetzone d a r s t e l l t und Wer d a r a u s
den Schluß zieht, Anordnungen und Verbote für das Gebiet von G r o ß - B e r l i n
e r l a s s e n zu können. In a l l e r Klarheit bekenne ich mich a l s V e r t r e t e r der
F r a k t i o n der CDU zu dem Standpunkt, daß wir der E r k l ä r u n g der sowjetischen
Militärverwaltung nicht z u s t i m m e n können, daß wir sie ablehnen, weil wir
glauben, daß sie nicht dem Inhalt der P o t s d a m e r Abmachungen entspricht.
Wenn das deutsche Volk durch eine gewählte Volksvertretung zu d i e sen Dingen hätte Stellung nehmen können, dann w ä r e die Beschlußfassung
        
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