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Periodical volume Nr. 73, 19. Juni 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Abkommen, seien es die Besprechungen in den darauf folgenden Konferenzen von Moskau, P a r i s und London oder sei es die K r i s e der letzten Tage überall ist das deutsche Volk nicht gehört worden. Auch zu den Empfehlungen der Londoner Konferenz, die das Schicksal Deutschlands in g r ö ß e r e m
Umfange bestimmen, und auch in der F r a g e der Währungsentscheidung in
der Trizone ist das deutsche Volk nicht gehört worden.
In weiten K r e i s e n u n s e r e s Volkes ist - und das bedauern wir - eine
Meinung v e r b r e i t e t , die den Besatzungsmächten nicht mit Sympathie gegenübersteht. Wir hatten alle nach den Worten der Atlantik-Charta geglaubt,
daß die Besatzungsmächte uns nun nach den unseligen J a h r e n der v e r b r e c h e r i s c h e n H i t l e r - H e r r Schaft eine wirkliche demokratische F r e i h e i t bringen
würden. Wir hatten gehofft, daß man uns in den schicksalsvollen E n t s c h e i dungen für Deutschland die Möglichkeit gibt, daß das deutsche Volk dazu
Stellung nimmt. Und so m ü s s e n wir als deutsche Menschen jetzt, nachdem
der Krieg d r e i J a h r e zu Ende ist, nachdem wir uns i m v i e r t e n J a h r e nach
der Beendigung der Feindseligkeiten befinden, die F o r d e r u n g an u n s e r e B e satzungsmächte erheben, daß man endlich dem ganzen deutschen Volk die
Möglichkeit geben muß, selbst in entscheidender Weise Stellung zu nehmen
zu den F r a g e n , die das Schicksal Deutschlands für die nächste Zeit b e s t i m men.
(Sehr richtig!)
Meine Damen und H e r r e n ! Die zonale Trennung, die wir in Deutschland durchmachen müssen, ist auch nicht vom deutschen Volk gewünscht.
Der politische Charakter der Zonen i s t ein ganz a n d e r e r geworden in d i e sen drei J a h r e n , a l s er ursprünglich gedacht war. Ursprünglich r e i n eine
Trennung der Militärhoheiten und der m i l i t ä r i s c h e n Überwachung, i s t es dahin gekommen, daß die Zonen zu selbständigen Staatgebilden geworden sind,
und dadurch ergeben sich für die Zonen, insbesondere aber für uns B e r l i n e r ,
ganz besondere Schwierigkeiten, Von Monat zu Me]nä,t mehr nehmen die Zonen zu leicht ein Aussehen an, das mit der betreffenden Besatzungsmacht
ü b e r e i n s t i m m t . Dadurch ist für uns B e r l i n e r eine schwierige Situation gegeben. Die andere Lage Berlins als die der übrigen Zonen, die Lage B e r l i n s
a l s Viermächte Stadt verlangt, daß wir eben weder das Gesicht der Ostzone
noch einer der Westzonen annehmen, sondern daß wir in Berlin einen C h a r a k t e r behalten, in dem die besondere Stellung B e r l i n s im Rahmen Deutschlands Berücksichtigung findet. Und wenn wir uns für diese oder für jene Sache entscheiden, dann ist das nicht ein Hinneigen nach der einen oder ein
Abbiegen von der anderen Seite, sondern es ist nichts weiter a l s das, daß
wir in u n s e r e r Entscheidung den besonderen Charakter der V i e r m ä c h t e s t a d t
zeigen und betonen m ü s s e n .
Meine Damen und H e r r e n ! Gerade die Zonen haben in Deutschland in
diesen J a h r e n eine sehr v e r s c h i e d e n a r t i g e wirtschaftliche Entwicklung g e habt. I m m e r wieder taucht die F r a g e in der P r e s s e auf und wir haben sie in
diesem Saal mehrfach betont gehört: wer hat Deutschland gespalten? Eine
        
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