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Periodical volume Nr. 73, 19. Juni 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Auffassung, die i m m e r von uns v e r t r e t e n worden ist, nicht ein Bestandteil
irgendeiner Westzone, aber auch nicht ein Bestandteil der Ostzone allein
ist.
(Sehr richtig!)
Berlin ist nach u n s e r e r Ansicht die Hauptstadt Deutschlands, und Berlin
ist wirtschaftlich und kulturell mit allen Teilen Deutschlands verbunden
und soll mit allen Teilen verbunden bleiben.
(Lebhafter Beifall bei der SPD, CDU und L D P . )
Und solange wir, meine Damen und H e r r e n , hier als die berufenen V e r t r e t e r der B e r l i n e r Bevölkerung u n s e r e Ä m t e r erfüllen, kann es für uns kein
a n d e r e s Leitmotiv für u n s e r e ganze Arbeit geben, als daß wir i m m e r , unbeschadet jeden Einflusses, mag er von der einen oder von der a n d e r e n B e satzungsmacht kommen, mag er von der einen oder anderen Zone kommen,
diesen Standpunkt a l s die alleinige Richtschnur u n s e r e s Handelns anzuerkennen haben.
(Beifall.)
Wir wenden uns deshalb,meine Damen und H e r r e n , gegen jeden Versuch,
der dazu führen könnte, diese Stellung Berlins als Mittelpunkt Deutschlands,
a l s einer Stadt, die mit dem Westen und mit dem Osten verbunden ist, durch
irgendwelche Maßnahmen oder E r k l ä r u n g e n abzuändern. Wir sind der Auffassung, daß das Viermächtestatut, das nach 1945 für diese Stadt e r l a s s e n
worden ist, nach wie vor u n v e r ä n d e r t in Gültigkeit ist, solange die w e s t lichen oder die östlichen oder überhaupt die Besatzungsmächte schlexhthin
d i e s e s Statut nicht aufheben. Wir in Berlin haben nur den sehnlichen Wunsch,
daß d i e s e s Viermächtestatut unbeschadet der Vorgänge in den einzelnen Zonen aufrechterhalten bleibt, weil damit die Lage B e r l i n s und die Stellung B e r lins a l s Hauptstadt Deutschlands steht und fällt.
Meine Damen und H e r r e n ! Wir haben uns ja in den letzten Wochen von
d i e s e r S t e l l e aus sehr eingehend mit der F r a g e beschäftigt, daß wir durch
die i m m e r mehr zunehmende Abschnürung B e r l i n s durch die Behinderung des
W a r e n v e r k e h r s , durch die Behinderung der Ausfuhr u n s e r e r F e r t i g f a b r i k a t e
in die Zonen, durch die Behinderung der Her einnähme von Rohstoffen, u m
die Produktion in Gang zu halten, durch die Einschränkung des I n t e r z o n e n v e r k e h r s , durch Maßnahmen, 500 000 P a k e t e monatelang in Berlin l a g e r n zu l a s sen, durch all das, was in dem Zusammenhang sich vor u n s e r e n Augen abgespielt hat - daß wir aus diesen Gründen h e r a u s s c h m e r z l i c h b e r ü h r t sind, daß
wir aber leider nicht die Möglichkeit haben, unmittelbar in diese Dinge einzugreifen, weil es sich hier u m die Hoheitsrechte der Besatzungsmächte handelt. Aber ich glaube, wir haben deshalb ganz b e s o n d e r s die Aufgabe, uns e r e n Willen und u n s e r e n Entschluß zum Ausdruck zu bringen, daß wir wünschen, daß Berlin mit allen Teilen verbunden bleibt und nicht durch e i n s e i t i ge Maßnahmen etwa nun dafür v o r b e r e i t e t werden soll, daß eines Tages g e sagt werden kann: nachdem sich nun alle diese Entwicklungen hier gezeigt
haben, bleibt nichts a n d e r e s übrig, als nun Berlin endgültig als Bestandteil
der Ostzone zu betrachten.
        
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