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Periodical volume Nr. 73, 19. Juni 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Diese E r k l ä r u n g haben wir heute b e r e i t s i m Magistrat abgegeben, und
wir halten es für u n s e r e Pflicht, dieselbe hier von diesem F o r u m zu wiederholen:
Die a m 18. Juni 1948 in der britischen, a m e r i k a n i s c h e n und f r a n z ö sischen Besatzungszone befohlene s e p a r a t e Geldreform ist der s c h w e r s t e
Schlag gegen die wirtschaftliche und politische Einheit Deutschlands und
gegen die Existenz der Hauptstadt Berlin. Die in Frankfurt a. M. getroffenen Maßnahmen haben die Spaltung Deutschlands in zwei Teile vollzogen.
Die Hoffnung des deutschen Volkes, b e s o n d e r s aber der B e r l i n e r ß e v ö l kerung auf eine gesamtdeutsche Regelung wird durch diese s e p a r a t e Währ u n g s r e f o r m zunichte gemacht.
Die s e p a r a t e Geldreform gehört zu den Bestandteilen einer in den
Westzonen betriebenen Politik der dauernden Zerreißung Deutschlands,
der Schaffung eines westdeutschen S e p a r a t s t a ä t e s mit eigener Verfassung
und Regierung.
Der Beschluß der a m e r i k a n i s c h e n , b r i t i s c h e n und französischen B e sät zungsbehör den, die Westwährung in den westlichen Sektoren B e r l i n s
nicht einzuführen, entspricht, wenn d i e s e r Beschluß ehrlich gemeint ist,
den wirtschaftlichen Notwendigkeiten B e r l i n s . Alle dahin zielenden P l ä n e ,
die westlichen Sektoren B e r l i n s in die s e p a r a t e Westwährung einzubeziehen,würden auch die Zerreißung B e r l i n s und die wirtschaftliche Katastrophe
bedeuten, die Folgen für die Bevölkerung wären unabsehbar.
In d i e s e r für B e r l i n so schicksalschweren Stunde ist es die Aufgabe
des M a g i s t r a t s von G r o ß - B e r l i n , die I n t e r e s s e n von 3, 3 Millionen B e r linern zu schützen und alles zu tun, um die Einführung von zwei Währungen
für B e r l i n zu v e r h i n d e r n .
Ein Anschluß an die Westwährung würde die Gefahr einer großen M a s senarbeitslosigkeit mit sich bringen. Auch die verschiedentlich p r o p a g i e r t e
Einführung einer Sonderwährung für Berlin, der sogenannten B ä r e n m a r k ,
i s t eine Utopie und würde B e r l i n wirtschaftlich völlig i s o l i e r e n . Nachdem
die Westwährung geschaffen und eine Sonderwährung für Berlin unmöglich
ist, gibt es für Berlin keinen anderen Ausweg m e h r , als durch intensive
Handelsbeziehungen mit der sowjetischen Besatzungszone eine Neuorientierung u n s e r e r Wirtschaft herbeizuführen. Der Magistrat hat die Pflicht,
a l l e s zu tun, daß die B e r l i n e r Wirtschaft nicht in eine Sackgasse g e r ä t .
Die Maßnahmen des M a g i s t r a t s haben diese Tatsachen zu berücksichtigen,
B e r l i n ist keine Insel, sondern geographisch von der sowjetischen B e satzungszone umgeben und mit zahlreichen Fäden wirtschaftlich und kult u r e l l mit d i e s e r Zone verbunden.
Aus all dem ergibt sich für den Magistrat die Aufgabe, Maßnahmen
zu e r g r e i f e n , die den Warenaustausch zwischen Berlin und seinem n a t ü r lichen Hinterland s i c h e r s t e l l e n . Dadurch wird in B e r l i n der Zerfall seiner
Wirtschaft v e r h i n d e r t und die Arbeitslosigkeit in den westlichen Sektoren
vermieden.
Inhalt und F o r m d i e s e r E r k l ä r u n g - das möchte ich noch einmal betonen -
        
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